schließlich die Interessen derer vertritt, die sie mit denen
ler Allgemeinheit identifizieren.
Wirtschaftsdemokratie ist also nur ein neues
Schlazwort für sozialistische Wirtschaitsordnung,
und zwar nach der in jenem Buche vertretenen Meinung
der typische deutsche Staatssozialismus, wenn
auch die Definition einen Gilden- oder Genossen-Sschaftssozialismus
mit umfaßt.
Aber ebensowenig wie etwa die „Sozialisierung“
der Eisenbahnen oder des Bergbaues, d. h. ihre Ueber-Hührung
in Staatsbesitz und -betrieb, eine neue Wirtschaftsdrdnung
bedeutet, also keine wirkliche Sozialisierung ist,
ebensowenig ist die staatliche Regelung der Kartelle und
anderer Monopolorganisationem eine neue Wirtschaftsordnung.
Eine solche erfordert ein neues Organisationsprinzip
der gesellschafılichen Bedarfsversorgung,
neue Verteilungsgrundsätze, und
davon ‚ist auch in der .‚Wirtschaftsdemokratie“ nicht
lie Rede.
Daß die Kartelle als monopolistische Organisationen
unter Umständen über das ganze Staatsgebiet und darüber
hinaus wirksam werden können. und daß daher hier ein
staatliches Eingreifen besonders nahe liegt. ist sicher. Aber
Jedeutet das die Ausbreitung eines „demokratischer
Prinzips‘“ in der Wirtschaft? M. E,. ebensowenig, wie
die Zollpolitik oder die Steuerpolitik, die ein
Gewerbe fördert. ein anderes hemmt, als ein demokratisches
Prinzip betrachtet werden‘ darf. Und auch die
Delegierung von Arbeitervertretern oder öffentlichen Beamten
in die Kartelle würde nichts Demokratisches
an sich haben. Denn öffentliche Beamte noch viel
mehr ’als Arbeiteryertreter würden zwar die Aufgabe
aaben, die „Interessen der Allgemeinheit” in
diesen Organisationen zu wahren, aber sie würden bald
ebenso merken wie die Vertreter der öffentlichen Interessen
im Reichskali- oder -kohlenrat oder die Mitglieder
des Kartelf!gerichts. daß es sich bei den angeblichen
„Interessen der Gesamtwirtschatt oder des Gemeinwohls‘
doch nur darum handelt. die Interessen verschiedener
Wirtschaftsgruppen gegeneinander
abzuwägen. Aus diesem Grunde ist ja auch
$ 4 KV. noch kaum angewendet worden.
Mit anderen Worten: Immer wieder muß ich betonen,
daß mit noch‘ soviel Organisationen, Komissionen
und Räten. ja auch durch Ueberführung
einzelner ganzer Wirtschaftszweige in öffentlichen Besitz
und Betrieb die Organisation unseres Wirtschaftsjebens
zar nicht geändert wird. Immer bleiht
der durch das Selbstinteresse, das Individuelle Ertragsstreben
geleitete Tauschverkehr die
Grundlage unserer Wirtschaftsordnung,