Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Sehen wir einmal von allen Ideologien ab und betrachten
wir die Dinge, wie sie heute liegen. In den letzten Jahren
haben

die Konsumvereine ihre Produktion
verdrei-und vervierfacht,
so daß sie heute rund 20% des Umsatzes darstellen; wird
die Entwicklung +in demselben Tempo weitergehen? Zur
Beantwortung dieser Frage. wird man sich weniger wirtschaftlich
 theoretischer Prophezeiungen bedienen, sondern
es wird Aufgabe mühevoller Einzeluntersuchungen sein, ob
die Optimalpunkte bei den einzelnen hergestellten Produkten
 erreicht sind und ob das Uebergreifen auf andere
Produktionszweige wirtschaftlich überhaupt ratsam ist. Die
händlerische Stärke‘ der Konsumvereine lag schon darin,
daß sie Gegenstände für den täglichen Bedarf und für einen
festen Abnehmerkreis handelt. Das Marktund
 Kreditrisiko ist unbedeutend; sobald sie
aber zum Handel in Gebrauchsgütern übergehen, entstehen
eine Reihe betriebswirtschaftlicher Schwierigkeiten, die
Lagerhaltung wird kompliziert, der Kapitalumschlag
wird verlangsamt, die Rendite wird sich verringern,
 was allerdings nach außen hin durch Einbeziehung
von Gewinnen aus anderen Abteilungen unkenntlich gemacht
werden kann.
Und was vom Handel gesagt wurde, gilt erst recht
für die Eigenproduktion; sobald diese die Grenzen des
jestumrissenen täglichen Bedarfs überschreitet. wird das

Bedarisdeckungsprinzip verwässert
und gleitet die Eigenproduktion in den schwankenden Bereich
 der Marktproduktion hinüber. Es ist schon richtig,
wenn Hildebrandt. vom betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkte
 aus sagt (Grünfeld-Hildebrandt: Genossenschaftswesen
 S. 109), daß je mehr sich die Eigenproduktion
auf Artikel wirft, die nicht zuden Lebensnotwendigkeiten
 gehören, die geruhsame und risikoarme Bedarfsdeckungswirtschaft
 vom Absatzrisiko bedroht
wird und sie zu. dessen Milderung das Kreditrisiko
(Abzahlungsgeschäft) auf sich nehmen muß. Ein Schulbeispiel
 hierfür sind uns eigene Textilunternehmunzen,
 Mit diesen greift die konsumgenossenschaftliche Eigenproduktion
 auf die konjunkturempfindlichsten und den
meisten Modeschwankungen unterworfenen Gebiete über.
Welch reizvolle soziologische Untersuchung, festzustellen,
ob die genossenschaftliche Treue, wohl das größte Aktivum,
das der Konsumverein den gewerblichen Einkaufsgenossenschaften
 gegenüber aufzuweisen hat, auch dann standhält,
wenn etwa Stoffe oder Damenkleider, die.aus der Mode
gekommen sind, und so etwas kommt von heute auf morgen
vor, noch auf Lager liegen und auf Absatz warten.
Jede
Vermehrung der Eigenproduktion wird auch zu
einer starken Vermehrung der iesten Anlagen
            
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