I. Das Problem.
Die Begriffe „Wert“ oder „Tauschwert“ bedeuten in der
klassischen Ökonomik den Preis der beliebig reproduzierbaren
Güter „auf die Dauer und im Durchschnitt“, d. h. unter Abstraktion
von den „zufälligen Schwankungen“, die durch Änderungen im
Verhältnis von Angebot und Nachfrage verursacht werden. „Preis“
bedeutet immer eine Relation. Das Problem ist, warum auf die
Dauer und im Durchschnitt eine bestimmte Menge der Ware a
sich gegen eine bestimmte andere Menge der Ware b tauscht,
z. B. 10 kg Kupfer gegen ı g Gold, 20 1 Wein gegen 50 Kilowatt
elektrische Energie, „20 Ellen Leinwand gegen einen Rock“ (Marx).
Wo Geldwirtschaft besteht — und wir werden nur geldwirtschaftlich
entfaltete Märkte zu betrachten haben — erscheint das Geld, als
das „allgemeine Wertäquivalent“, auf der rechten Seite der Gleichung.
Unter der Annahme, daß auch das Geld auf seinem Tauschwert ver-
harre, oder, was das gleiche sagt, daß wir auch bei ihm von jenen
„zufälligen“ Schwankungen absehen, ist also jeder Geldpreis einer
Ware auf die Dauer und im Durchschnitt ihr Geldwert.
Aber dieses Problem ist an sich von sehr geringer Bedeutung.
Dem Praktiker genügt es vollkommen zu wissen, daß der Preis
einer ihn interessierenden Ware im Durchschnitt so und so hoch
steht: warum er so hoch steht, ist ihm gleichgültig. Und der
Theoretiker könnte das Problem als eine „Doktorfrage“ ruhig liegen
lassen, wenn es nichts anderes trüge. Das aber ist eben der Fall:
es trägt das wichtigste von allen, das Zentralproblem unserer
Wissenschaft, das der Distribution, und das heißt: der Klassen-
einkommen, insbesondere das des Kapitalprofits.
Dieses Problem ist ein Wertproblem. Es lautet: warum hat
in unserer Gesellschaft die mit eigenen Produktionsmitteln nicht
ausgerüstete Arbeit diesen, uns empirisch gegebenen Wert?
Warum haben die Nutzungen von Kapital und von Bodeneigentum
diesen, uns empirisch gegebenen Wert? und zwar auch hier: Wert
auf die Dauer, unter Abstraktion von allen zufälligen Schwankungen
im Verhältnis von Angebot und Nachfrage, so daß das Einkommen
Fr. Oppenheimer, Wert und Kapitalprofit, 3. Aufl,