160 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. sE618
Nachfrage sahen, nur bei einer gewissen Stärke wirken; sie hat ein viel größeres Be—
harrungsvermögen zu überwinden als die Anderung des Angebots einzelner Waren, weil
eben der Geldwert im Gleichgewicht aller bestehenden Preise seinen Ausdruck hat; aber
mmer wird jede dauernde und starke Verschiebung in den Spannungsverhältnissen
von Angebot und Nachfrage des Geldes die Gesamtheit der Preise und den Geldwert
in der Weise modifizieren, wie überhaupt die Werte durch Angebot und Nachfrage
deeinflußt werden. Eine Summe von psychischen Faktoren kann und wird häufig auch
hier mitwirken. Aber das Nächste ist doch, Angebot und Nachfrage des Geldes, ihr
Auftreten auf dem Markte als Quantitätserscheinungen zu untersuchen.
Als Märkte kommen Gebiete mit einheitlichem Verkehr und einheitlicher Geld—
rirkulation in Betracht. Sie waren früher klein, heute erstrecken sie sich auf ganze
Staaten, ja Weltteile. Jedenfalls bilden die heutigen Centralpunkte des Geld- und
Kreditverkehrs in den Kulturstaaten einen mehr oder weniger einheitlichen Markt für
das Geld und seinen Wert. Von der lokalen Verschiedenheit des Geldwertes sprechen
vir nachher, wir fassen zunächst die Ursachen der zeitlichen Veränderungen ins Auge.
a) Das Angebot an Geld ist ein Teil des Edelmetallangebots. Auf jedem
Markt ist ein überlieferter Bestand an Münze, Edelmetallbarren, Gold- und Silber—
gerät; dazu gesellt sich, was jährlich durch die heimische Neuproduktion oder durch den
Handel hinzukommt; es geht ab, was ausgeführt wurde. In den früheren kleinen
Marktgebieten mochten große Beuteergebnisse oder neue Erz- und Metalllager das
Angebot rasch ändern; in den neueren Zeiten schwankte nach Soetbeer die jährliche
Ausbeute der Erde gegenüber dem Edelmetallvorrat meist nur zwischen 1 und 11/2 Prozent,
nur neuestens erhob sie sich bis gegen 2 Prozent beim Gold, etwas über 2 Prozent
beim Silber. Das Angebot von Edelmetall für Geldzwecke ist abhängig von der Münz—
zesetzgebung, der Nachfrage für andere Zwecke und den Export. Die Münggesetzgebung
bestimmt, ob Gold oder Silber oder beide zusammen Währung seien; sie ordnet an,
ob nur der Staat präge und also allein nachfrage, oder ob auch Private prägen dürfen;
die Münzverwaltung prägt entweder regelmäßig, alfo eventuell auch mit Verlust, wenn
der Rohmetallpreis gleich oder über dem durch den Münzfuß angezeigten Werte steht
(z. B. wenn Barrengold in Deutschland gegen oder über 1895 Mark gilt), oder sie
prägt nur, wenn er unter diesem Niveau (also z. B. in Deutschland 1390 —13092) steht.
Von allem dem hängt das Angebot geprägten Geldes ab. Aber die Handlungen der
Münzverwaltung und der prägenden Banken selbst sind wieder mit bedingt von der
anderweiten Edelmetallnachfrage und dem Export. Soetbeer schätzt, daß über die Hälfte
des 1881 -1885 neu produzierten Goldes für die Industrie gebraucht worden sei; Lexis
nimmt für die neueste Zeit etwan!/4 bis !/8 an; vom Silber ist es ein noch geringerer
Teil, etwa /5. Doch schwankt dieser ganze Verbrauch sehr. Er ist größer in guten
Jahren; er hört auf in schlechten; ja bei allen großen Geschäftsstockungen werden große
Mengen von Edelmetall, die bisher in Geräten und Schmuckform vorhanden waren, in
Münze verwandelt. Klüpfel schätzt 1895, daß in Europa 32 Milliarden Mark Gold
und ebenso viel Silber vorhanden waren, von welchen nur 16 als Goldmünze und 9 als
Silbermünze, der Rest in anderer Form gebraucht wurden. Jedenfalls hängt das
Angebot beider Teile enge zusammen, und das ganze europäische hängt außerdem davon
ab, was die hauptsächlichsten Gold und Silber erzeugenden außereuropäischen Länder
für sich behalten, und was Europa nach Asien senden muß.
In letzter Linie aber werden alle diese Größenverhältnisse davon bestimmt,
welche Summe die Produktion an Edelmetall jährlich liefert, zu welchen Kosten
das geschieht, und wie so der Gesamtvorrat anwächst. Ich führe die wichtigsten
Zaylen nach Soetbeer, Lexis und dem amerikanischen Münzamt an; einmal die
Kilogrammzahlen 1493 1890 in größeren Durchschniiten; dann die Jahresproduktion
von 1890—1900, nebst einigen Vorjahren und ihrem Marktwert in deutschem
Geld; diese Angaben nach der Statistik des amerikanischen Münzamtes. Die Schätzung
des Gesamtvorrats an Edelmetall ist, was den Silberwert betrifft, nicht torrekt:
die älteren Angaben sind im alten Silberwert, die von 1890—99 im heutigen