Full text: Grundzüge der Theorie der Statistik

42 
daß er umsichtig die Genauigkeit der statistischen Beobachtungen 
nachprüft. Er macht darauf aufmerksam, daß in den Städten ein 
erheblicher Teil der Verstorbenen Zugewanderte seien. Er bespricht 
eine höchst interessante Doppelzählung der bürgerlichen Bevölkerung 
Berlins im Jahre 1747, wo zuerst die Polizei und 8 Tage später die 
königlichen Beamten eine Zählung vornahmen; diese Zählungen er- 
gaben nur sehr geringe Unterschiede. Er bewies die Ungenauigkeit 
der Altersangaben, und deshalb häufen sich die Zahlen bei den runden 
Altersjahren, so daß also der Glaube an klimakterische Jahre leicht 
entstehen konnte. 
Aus den vielen zerstreuten Beobachtungen sucht Süßmilch einen 
allgemeinen Sterblichkeitsquotient zu bestimmen und ähnlich das 
Verhältnis der Eheschließungen und Geburten zur Volkszahl fest- 
zustellen. Er glaubt aus den Zahlen ersehen zu können, daß die 
Sterblichkeit in den Städten größer sei als auf dem Lande, was 
allerdings richtig ist, aber ohne Berücksichtigung der Altersverteilung 
nicht bewiesen werden kann. Wir haben hier eines der zahlreichen 
Beispiele in der Geschichte der Statistik von einer richtigen Anti- 
zipation auf Grundlage eines unvollkommenen Materials. Süßmilch 
macht auch den Versuch, das Verhältnis der Geburten zu den be- 
stehenden Ehen zu bestimmen, wozu nur äußerst dürftige statistische 
Ermittelungen vorhanden waren. 
Auf Grund dieser Untersuchungen nun stellt Süßmilch Berech- 
nungen über die Zunahme und Verdoppelungszeit der Bevölkerung 
an, in einem Abschnitt, welcher durch einige von Kuler angestellte, 
später von Malthus in seiner Bevölkerungstheorie besprochene Be- 
rechnungen bekannt geworden ist. Er sucht ferner das überaus 
Jürftige Material zur Bestimmung der Bevölkerung der Erde zu 
verwerten, wozu nur sehr wenige eigentliche Volkszählungen vor- 
lagen. Die Methode kommt meist darauf hinaus, daß er berechnet, 
wie viele Menschen in dem betreffenden Lande unter Voraussetzung 
einer gewissen allgemeinen Bevölkerungsdichtigkeit leben würden, 
und daß er diese Zahlen mit dem vergleicht, was man über den 
Kulturzustand, die Wohlstandsverhältnisse usw. der Bevölkerung 
wußte. Für Spanien fußt er auf einer Zählung der Familien, für 
Portugal nimmt er eine entsprechende Dichtigkeit an; Polen und 
Litauen sollten nach der Durchschnittsberechnung 40 Millionen Ein- 
wohner zählen, aber auf Grund der kümmerlichen Zustände des 
Landes: der großen Wälder, Sümpfe und Moräste, der unsicheren 
Zustände für die Pächter, der niedrigen Getreidepreise, des
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.