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Schmiermittel.
füllung. Eine erste Probe ist im unerhitzten Zustande, eine zweite nach 10 Minuten
langem Erhitzen im kochenden Wasserhade zu prüfen. Beide Proben werden un
mittelbar nach erfolgter Vorbehandlung 1 Stunde lang im Wasserbade der Beob-
aohtungstemperatur ausgesetzt, welche den praktischen Erfordernissen anzupassen
ist. Dann wird durch Umdrehen des Probeglases die Konsistenz ermittelt.“
„Für zolltechnische Zwecke (Feststellung der Tara) ist ein kalibriertes
Standglas von 40 mm lichter Weite und 60 mm Höhe bis zu 30 mm mit öl zu
füllen. Ist die Oberfläche des 1 Stunde
auf + 15° gehaltenen Öles nach 2
Minuten langem Umkehren des Glases
unverändert, so ist das Öl als salben
artig, sonst als flüssig zu bezeichnen.“
„Auch bei diesen Versuchen
empfiehlt es sich, eine erste Probe im
ursprünglichen Zustande, eine zweite
nach dem Erhitzen des Öles im
kochenden Wasserbade zu prüfen.“
2. Bestimmung des Flüssigkeits
grades (Viskosität). Die Bestimmung
des Flüssigkeitsgrades oder der Vis
kosität ist für die Beurteilung der
Schmieröle von der größten Bedeutung.
Man bestimmt sie in den Unter
suchungsämtern und den Mineralöl
fabriken des Festlandes fast aus
schließlich mit dem Engl er sehen
Viskosimeter und bezeichnet als
„Zähflüssigkeitsgrad“ , oder „Viskosi
tätsgrad nach En gier“ die Verhältnis
zahl, welche angibt, wie vielmal mehr
Zeit ein Öl von einer bestimmten
Temperatur gebraucht, bis 200 ccm
aus der Öffnung des En gl er sehen
Apparates ausfließen, als die gleiche
Menge Wasser von 20°.
Man prüft die Viskosität bei Maschinen- und Eisenbahnölen bei 20 und 50°
bezw. bei Zylinderölen auch bei 100 0 . 1 )
„Um zufällige grobe Verunreinigungen der Öle zu entfernen, gießt man sie vorher
durch ein Sieb von 1 / s mm Maschenweite. Sehr dicke Öle sind hierfür schwach zu erwärmen.
Über den Rüokstandshefund ist ein Vermerk in das Prüfungsergehnis aufzunehmen. . . .
Wasserhaltige Öle sind vor den Versuchen entweder durch Schütteln mit Chlorcalcium und
Titel „Grundsätze für die Prüfung von Mineralschmierölen“ gemachten Vorschläge. Die
diesen entnommenen Vorschriften sind im nachfolgenden in Anführungszeichen gesetzt.
Ebenso sind vom „Sohmiermaterial-Komitee im niederösterreichischen Gewerheverein
in Wien“ in den Jahren 1900 und 1901 „Vorschriften für die einheitliche Prüfung von
Mineralschmierölen“, sowie Durchführungserläuterungen dazu herausgegeben (vergl. Österr.
Chem.-Ztg. 1901, 4, 202 und 1902, 5, 2).
r ) Bei höheren Temperaturen (160—200°) sind nach D. Holde mit dem Englerschen
Apparat für Zylinderöle meßbare Unterschiede von praktischer Bedeutung kaum mehr
vorhanden.
Fig. 348.
Englersches Viskosimeter.