Object: Bolschewismus, Fascismus und Demokratie

Man muß diese Krisis konstatieren und prüfen, ob sie vorübergehend oder 
nur eine Folge der Nachkriegszeit ist, oder ob sie eine endgültige oder wenig- 
stens länger währende Veränderung des modernen Lebens darstellt. 
DIE FOLGEN VON KRIEG UND FRIEDEN 
Es war leicht, diese Krisis der Freiheit vorherzusehen. Die großen moder- 
nen Kriege werden. nicht mehr von ausgebildeten Truppen, sondern von der 
ganzen Nation ausgefochten und bewirken dann Revolutionen und Reaktionen. 
Verbrechen und Krankheit streben nach Vereinigung, wie auch die großen 
Plagen der Menschheit sich gegenseitig anziehen. In den heiligen Büchern 
werden Krieg, Hungersnot und Seuche Geißeln des Herrn genannt, die einan- 
der folgen und sich vereinen. Jeder Krieg, welcher große Menschenmassen 
gegeneinander getrieben hat, hatte auch immer tiefe Wandlungen zur Folge. 
Zwischen den napoleonischen Kriegen und dem Weltkrieg 1914/1918 ist 
der deutsch-französische Krieg 1870/71 der größte gewesen, obwohl er nur 
sieben Monate dauerte. Die Zahl der Toten und Verwundeten auf beiden 
Seiten erreichte nicht einmal die Hälfte der Totenzahl auf italienischer Seite 
im Weltkrieg. Es wurden im ganzen weniger Kanonenschüsse abgefeuert als 
an einem einzigen Tage des großen Krieges. Die Kriegsentschädigung, die 
dem Besiegten auferlegt wurde, betrug insgesamt nur fünf Milliarden, und 
die Okkupation war kurz und ohne ernste Folgen. 
Trotzdem gab es in dem besiegten Frankreich eine große kommunistische 
Bewegung, die Kommune von Paris, den Sturz der Monarchie und den langen 
erbitterten Kampf zwischen der Demokratie und der Reaktion. Die Demokratie 
konnte sich nur langsam befestigen und machte eine ernste Krisis durch. 
Das siegreiche Preußen erlebte nach der Gründung des Deutschen Reiches 
ein Plötzliches und mächtiges Erwachen des Sozialismus und als Gegensatz den 
Militarismus und die imperialistische Politik. Es gab große Religionskämpfe 
und Konflikte mit der katholischen Kirche, es zeigten sich neue Formen der 
Intoleranz und soziale Spaltungen, bedeutender als je vor dem Kriege. Durch 
die Mobilisierung großer Menschenmassen rührt der Krieg ihren Geist auf, 
gewöhnt sie an Gewaltsamkeiten und begünstigt revolutionäre Strömungen. 
Die Reichen, die Vorsichtigen, die Schwankenden werden durch die drohende 
Revolution wiederum zur Reaktion getrieben. So folgen sich oft Revolution 
und Reaktion. 
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