Full text : Kapitalismus und Sozialismus

Arbeitslosigkeit  und  Lohnbewegung

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schäftsgangz,  wenn  in  der  Industrie  Hochkonjunktur  herrscht,  eine
Statistik,  die  darauf  ausgeht,  die  augenblicklich  nicht  in  Beschäftigung
stehenden  Arbeiter  zu  zählen,  stets  einen  bestimmten  Prozentsatz
der  Lohnarbeiter  als  arbeitslos  ermitteln  wird.^)  Die  Tatsache,
daß  im  modernen  Wirtschaftsleben  beständig  eine  gewisse  Zahl
von  Arbeitslosen  vorhanden  ist,  darf  daher  auch  nicht  so  gedeutet
werden,  als  ob  es  eine  Eigentümlichkeit  unserer  Wirtschaftsordnung
sei,  daß  das  Angebot  von  Arbeitskräften  die  Nachfrage  andauernd
übertreffe,  vielmehr  können  gleichzeitig  im  ganzen  noch  mehr  Arbeitsstellen ­
  unbesetzt  fein,  als  Arbeitslose  vorhanden  sind.
Ein  gewisses  Nlaß  von  Arbeitslosigkeit  ist  also  einfach  die  Folge
davon,  daß  infolge  der  heute  herrschenden  weitgehenden  Freiheit
des  Arbeitsvertrags  für  beide  Parteien  Angebot  und  Nachfrage  auf
dem  Arbeitsmarkt  sich  nicht  schnell  genug  zusammenfinden,  hierher
gehört,  wie  bereits  angedeutet,  insbesondere  dasjenige  Nlaß  von
Arbeitslosigkeit,  das  auch  in  der  Zeit  des  Hochstandes  der  industriellen
Konjunktur  bestehen  bleibt.  Bei  den  englischen  Gewerkvereinen  ist
die  durchschnittliche  Arbeitslosenziffer  in  Jahren  der  industriellen
Hochkonjunktur  bereits  bis  auf  2  %  und  weniger  in  Friedenszeiten
gesunken.  Noch  niedriger  war  die  Krbeitslosenziffer  während  des
Krieges.  Da  ist  sie,  nachdem  die  im  Anfang  des  Nrieges  eingetretene
vorübergehende  Stockung  des  Wirtschaftslebens  überwunden  war,
seit  1916  sogar  auf  0,4%  und  noch  tiefer  gesunken.  Ganz  ähnlich
war  der  Verlauf  übrigens  auch  in  Deutschland.
Mit  dem  eben  bezeichneten  Maß  von  Arbeitslosigkeit  ist  also  im
Wirtschaftsleben  unter  allen  Umständen  zu  rechnen.  Dieses  Maß
kann  indessen  im  allgemeinen  auch  als  unbedenklich  bezeichnet  werden, ­
  als  unbedenklich  sowohl  vom  Standpunkte  der  Arbeiterklasse
ols  auch  von  dem  des  einzelnen  Arbeiters  aus.
Vom  Standpunkte  der  Arbeiterklasse  aus  ist  eine  Arbeitslosigkeit,
die  sich  in  den  eben  bezeichneten  Grenzen  hält,  d.  h.  die  nicht  oder
23)  Richtig  schon  hervorgehoben  bei  Rauchberg,  Oie  Berufs-  und  tbe-Werbezählung
  im  Deutschen  Reich  vom  14.  VI.  1895,  1901,  §.  201.
            
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