Full text : Die drei Nationalökonomien

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betrachtet und Betrieb mit Unternehmung gleichsetzt, und diejenige,
 die unter die ‚„Betriebswirtschafislehre‘““ „alle auf Kostenersatz
 und Einkommenserzielung abgestellten produzierenden Wirtschaften‘
 einbegreifen will. Die Anhänger dieser Richtung sind es,
die in Deutschland seit 1919 auch die Firma geändert haben und
ihre Disziplin jetzt „Betriebswissenschaft“ genannt wissen wollens!,
just um nicht in den Verdacht zu kommen, daß sie eine „Profitlehre“
vortragen. Sie bilden heute wohl die Mehrzahl der Privatwirtschaftslehrer:


2. die Staatswirtschaftslehre, unter dem Namen der Finanzwissenschaft
 bekannt, und — seltsamerweise — gerade im Begriffe,
sich aus einer Kunstlehre in eine Wissenschaft zu wandeln;
3. die (praktische) Volkswirtschaftslehre, ein Sammelsurium
von allerhand Vorschlägen zur „Verbesserung“ der Volkswirtschaft
ohne das einigende Band einer richtunggebenden praktischen Idee.
Üblicherweise wird, namentlich in deutschen Lehrbüchern und Vorjesungen,
 diese dritte Wirtschaftiskunstlehre — und nur sie — mit
der Wirtschaftswissenschaft, die wir als Nationalökonomie bezeichnet
haben, zu einem „System“ zusammengefügt. Dagegen wäre sachlich
 nur dieses einzuwenden: daß ein wissenschaftliches „System“
niemals durch die Vereinigung zweier völlig wesensfremder Wissensgebiete
 herauskommen kann. Eine Einheit kann man schon herstellen.
 Aber nur dadurch, daß man die Disziplinen nach ihrer rein
praktischen Zusammengehörigkeit ordnet. Wie man etwa ein „Handbuch
 der Medizin“ schreiben kann, in dessen erstem Teile die Wissenschaften
 Anatomie, Physiologie usw., in dessen zweitem Teile die
Kunstlehren Chirurgie, innere Medizin, Kinderheilkunde usw. abgehandelt
 werden. Nur müßte man dann in unserem Falle schon
alle Wirtschaftskunstlehren einbeziehen. Man bekäme dann einen
„theoretischen‘“ und einen „praktischen“ Teil der Lehre von der
Wirtschaft (wobei der theoretische‘ Teil den empirischen einschließen
 müßte: das Verwirrende ist, daß Theorie zwei Gegensätze

31 Siehe die Ilehrreiche Besprechung des Buches von Wilhelm Rieger,
Einführung in die Privatwirtschaftslehre, 1928, durch Ernst Walb in der Zeitschrift
 für handelswissenschaftliche Forschung, a2. Jahrg. Heft XI. 1928.
            
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