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Es ist von vorneherein klar, daß der Weltkrieg und seine Folgen
auch hier der industriellen Überseentwicklung zugute kommen
mußten. Auch hier wirkte ja die teilweise Abschneidung von der
europäischen Zufuhr sowie die Verknappung .aller europäischen
Waren als ein Stimulus, sich von andern Märkten her einzudecken,
soweit diese exportfähig waren. Dabei spielte nun weder die Preisfrage
noch die Qualitätsfrage die Rolle wie zuvor. Wichtiger war
es, Waren überhaupt zu erhalten. Benachbarte überseeische Gebiete
und solche, die durch einen noch unbehinderten Seeweg Verbindungen
hatten, sahen sich im Austausch ihrer Erzeugnisse begünstigt,
gewissermaßen durch die europäische Verwirrung näher gerückt.
Europa als Schuldnerland
Unzweifelhaft haben von dieser Entwicklung wiederum die Vereinigten
Staaten, neben Japan, den englischen Dominions und Indien,
am meisten profitiert. Man kann zwar dritte Märkte nicht
durch Schutzzollpolitik erobern wie den heimischen, aber der finanziell
erstarkende Staat hat stärker als verarmende Länder ein anderes
Mittel zur Hand, das im Frieden — mit einem gehässigen
Sinn gegen Deutschland so genannt — als „peaceful penetration“,
friedliche Durchdringung bezeichnet wurde und seit dem Weltkrieg
von der amerikanischen Union im stärksten Maße für sich selbst
in Anspruch genommen worden ist. Die Stellung der europäischen
Staaten vor dem Kriege war nach den Ausführungen von Prof.
Franz Eulenburg %) dahin zu charakterisieren: Europa hatte für die
wirtschaftliche Erschließung der Welt allenthalben den Anstoß gegeben,
Eulenburg berechnet, daß vor dem Kriege jährlich 10 Milliarden
Goldmark in die übrige Welt, einschließlich der Vereinigten
Staaten von Amerika, strömten. Nach dem Kriege ist Europa Schuldnerland
geworden, Nicht nur auf das verarmte Deutschland trifft
dies zu, sondern auch auf Frankreich, das, wenn es seinen Verpflichtungen
nachkommen wollte, jährlich etwa 11/2, Milliarden an
Amerika zu zahlen hätte, während wir von England konstatieren
konnten, wie seine Stellung als Kreditgeber durch die Verschlechterung‘
seiner Zahlungsbilanz heute ihre einstige Bedeutung einge-83)
Vgl. Eulenburg, Die Verschiebung des weltwirtschaftlichen
Schwergewichts. In: „Die Weltwirtschaft‘, Juli 1925. S. 122.
Levv., Weltmarkt