- 123 —
Strebungen und Fähigkeiten der Genossen bestimmt, nur
nicht mehr unmittelbar, sondern auf dem Umwege über den
Sozialwillen.
Hieraus ergibt sich — wiederum zwingend, wie mir scheint —
die Unhaltbarkeit einer jeden Lehrmeinung, welche die einheitliche
Wertung aller Wirtschaftsobjekte (Sachgüter, Natur- und Menschen-
kräfte) in ihrem Verhältnis zum gesellschaftlichen Gesamtbedarf
für irgendeinen Typ der entwickelten Gesellschaftswirtschaft als
entbehrlich erachtet. Die Vereinheitlichung der individuellen
Wertschätzungen ist schon deshalb eine Notwendigkeit, um über
die Interessen-Rivalität der Einzelnen hinweg den Gesamtbedarf
der Gesellschaft feststellen zu können. Geldlose Gesellschafts-
wirtschaft kann nicht Aufhebung der einheitlichen Wertbestimmung
bedeuten!
Schäffle gibt eine ausnehmend klare Gegenüberstellung der
xapitalistischen und der sozialistischen Bestimmung des geselischaftlichen
Wertes: „Das volkswirtschaftliche Gleichgewicht wird jetzt mit Hilfe regu-
jerender Marktpreisbildung nur sehr unvollkommen und in einer für zahl-
iose Existenzen verderblichen Weise hergestellt ... Alle müssen einander
kostspielig rekognoszieren oder ins Blinde hinein auf den Markt fahren ...
Alle betasten einander mit der Absicht, möglichst viel zu erlangen, völlig
gleichgültig dagegen, ob die anderen existieren können oder zugrunde gehen, ..
Durch den Marktpreis findet . . wohl schließlich eine gesellschaftliche Gleich-
gewichtsherstellung zwischen Angebot und Nachfrage statt, aber nicht so,
wie es in einem Spiel der Wechselwirkungen zwischen vernunftbegabten und
zu gemeinsamer Gesamterhaltung befähigten Wesen stattlinden könnte,
Nicht durch gesellschaftliche Vernunft, nicht unter Oberleitung von Organen
des Interesses der Gesamtversorgung, sondern durch anarchischen und blinden
Druck und Gegendruck der Sonderinteressen wird in der Marktpreisbildung
las volkswirtschaftliche Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage
höchst labil und für den Moment erreicht . .. — Der Sozialismus könnte,
wenn er der ganzen Volkswirtschaft einen festen Kern einheitlich anstalt-
licher Organisation wirklich schaffen würde, wohl viel Besseres erreichen .,.
Alle wären unmittelbar interessiert, daß möglichst reiner Nutzen
erreicht würde, die Jagd auf andere als persönlich verdiente Prioritätsrenten
wäre unmöglich, die gerechte Regelung aller Tauschäquivalente wäre das
allgemeinste Interesse . ., die Tauschwertbildung wäre nicht mehr der Spiel-
all einer millionen{ältigen, fit allen Mitteln der List und der Täuschung
betriebenen Jagd nach Sondergewinnen ...— Bei beiden Systemen der Or-
yanisation des sozialen Stoffwechsels beherrscht Gcistesarbeit die soziale
Wertbildung, nur im einen Fall einheitslos aus dem Druck konkurrierender
ndividualwertbestimmungen heraus, im anderen Fall durch Interessen-
Rivalität vor der Instanz sozialer Wertungsorgane‘‘ (Bau, III, S. 35111g.).
2. Die Naturalwirtschaft kann einen einheitlich-
rechenmäßigen Ausdruck der gesellschaftlichen