Einleitung.
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. berechneten Versicherungen noch jung ist, so daß die Reserven der meisten
Abschlüsse noch wachsen (namentlich in der Lebensversicherung). In beiden
Beziehungen kann einmal ein Höhepunkt, ein Beharrungszustand erreicht
werden. Die Versicherungsleistungen (einschließlich der sonstigen Ausgaben)
werden dann den Prämien (und anderen Einnahmen) annähernd gleich sein;
es kommen keine neuen Reserven zur Anlage, d. h., es wird dem Geldmärkte
von seiten der Versicherung kein Kapital mehr zur Verfügung gestellt. Bei
der Höhe der Summe, die hier in Frage kommt, müßte das vom tiefer Ein
wirkung auf unsere Volkswirtschaft sein. Und wenn auch bei der ständigen
Zunahme der Volkszahl und ihres Wohlstandes, bei der verhältnismäßig
geringen Entwicklung des Versicherungswesens ein solcher Beharrungszustand
für absehbare Zeit ausgeschlossen erscheint, im Gegenteil eine immer stärkere
Steigerung der Anlage suchenden Reserven zu erwarten ist, so lohnt es doch
schon jetzt aufmerksam die Tendenzen zu beachten, die sich in der Entwicklung
der verschiedenen Versicherungszweige bemerkbar machen.
Dahin gehört auch die Frage, inwieweit das Ausland am deutschen
Versicherungsgeschäfte und umgekehrt Deutschland an ausländischen Ver
sicherungen beteiligt ist. Wenn auch eine Reihe von Staaten die gesetzliche
Vorschrift hat, daß eine angemessene Deckung für die von ausländischen Ge
sellschaften abgeschlossenen Versicherungen im Inland vorhanden sein muß,
so wird damit die Wirkung einer Beteiligung des Auslandes am Ver
sicherungsgeschäfte wohl verringert, aber nicht beseitigt. Diese Wirkung kann
nicht nur darin bestehen, daß ausländische Volkswirtschaften Geschäftsgewinne
aus Deutschland ziehen (oder umgekehrt), sondern auch darin, daß deutsches
Kapital dem ausländischen Geldmärkte, der Produktion und dem öffentlichen
Anleihebedürfniffe zur Verfügung gestellt wird (oder umgekehrt).
, Die Feststellung der durch Versicherungen verschobenen Summen bringt
uns sofort zu der weiteren wichtigen Frage: Woher kommen diese
Summen? und wohin gehen sie? Für die soziale Versicherung sind wir
durch die gesetzliche Umgrenzung der Versicherungspflicht und der Befugnis
zu freiwilliger Versicherung im großen und ganzen über die Herkunft der
Prämien unterrichtet. Wir können auch nach dem amtlich veröffentlichten
Materiale schätzen, wie die Versicherten sich auf die einzelnen Berufe und
Gewerbezweige, auf die verschiedenen Einkommensstufen verteilen und welchen
Teil ihres Einkommens die Versicherungskosten ausmachen. Von einer lücken
losen Kenntnis des sozial und volkswirtschaftlich Wissenswerten sind wir
aber auch hier noch weit entfernt. So ist z. B. nicht festzustellen, wieviele
wirtschaftlich Selbständige in den Krankenkassen versichert sind. Noch viel
geringer ist unsere Kenntnis über den Versichertenbestand der privaten Ein