fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

248 Swanzigstes Buch. Zweites Rapitel. 
— Mantzignes Such. Sweites Kapi 
In uns flammt keine Brunst, obschon die Blätter brennen 
Vor liebender Begier. Es ist ein bloßes Nennen. —? 
Und die Nürnberger haben damit Keime gelegt, die später 
auch in Mitteldeutschland geil wuchernd emporschossen, und 
gegen die sich noch Gottsched zu wenden hatte. 
Von größerer Bedeutung war die Vermählung, die sich, 
sei es bewußt oder unbewußt, zunächst auf süddeutschem Boden 
zwischen der Renaissanceform im Opitzschen Sinne und dem 
aufstrebenden Geiste des Neukatholizismus vollzog. Dieser Neu⸗ 
katholizismus, wie er mit den künstlerischen auch die poetischen 
Formen des italienischen Barocks nach Deutschland gebracht hatte, 
feierte seinen sichtbarsten Triumph freilich zunächst auf dem 
Gebiete der lateinischen Schulpoesie; hier wurde der Jesuit Jakob 
Balde (1603568) zum vermittelnden Meister. Allein er trat 
doch auch, indem er sich mit einer damals eben emportauchenden 
mystisch-pietistischen Strömung! verband, in die deutsche 
Literatur ein. Der erste entscheidende Vertreter, in dessen 
Dichtung so verschiedenartige Strömungen zusammentrafen, 
war der Jesuit Friedrich von Spee (1592 1685). Gewiß 
waren die Gefühle des süßlich Verzückten und weich Schwärme⸗ 
rischen, die ins spezifisch Katholische übertragenen entnervenden 
Düfte der italienischen Dichtung des Marinismus schon vor 
Spee nach Deutschland gelangt; klar liegt der Zusammenhang 
schon in der Gedichtsammlung „Paradeisvogel“ des Jesuiten 
Vetter (seit 1618) vor. Allein während es sich hier meist nur 
um Übersetzungen fremder Lyrik handelte, tritt mit Spee eine 
edle menschliche und dichterifche Anlage rein deutscher Art in 
den Dienst dieser Empfindungen. Und sicherlich: man liest 
noch heute einen großen Teil der „Trutznachtigall“ Spees mit 
inniger Freude und wahrem Mitgefühl; und man läßt sich 
hinreißen von der Melodie seiner einfachen, wenn auch in ihrer 
Wiederholung etwas eintönigen Naturpoesie, wie auch die bis— 
weilen hervorlodernde, sonst gedämpfte Leidenschaftlichkeit und 
ein Gefühlsreichtum, der, wenn auch endlos zerfasert und ver— 
S. darüber oben S. 163 ff.
	        
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