„Damaskusteppich” 1). Wenige Jahre darauf machte es in
dem von Hofrat Dr. Hermann Trenkwald eingerichteten
‚Teppichsaal” seinen Gesamtbesitz an persisch-
indischer Kunst zugänglich. Den gleichfalls aus Hof-
besitz überkommenen Zuwachs an Barock-, Empire- und
Biedermeier-Mobiliar vereinigte Hofrat Dr. Schestag
in dem mit auserlesenem Geschmack arrangierten Hof-
mobiliensaal, die dem Museum zur Verwaltung zuge-
wiesene ehemalige Hoftafel- und Silberkammer stellte
Kustos Dr. Richard Ernst im Sommer 1922 im Michaeler-
trakt der Burg nach musealen Gesichtspunkten auf.
Aus der Kunstgewerbechronik des Jahres 1922 ver-
zeichnen wir ferner eine von dem Gefertigten im Februar
m Museum arrangierte Ausstellung „Der Wiener
Bucheinband in alter und neuer Zeit”, weiters
die „Herbstausstellung von Wohnungsein-
zichtungen” im Oesterreichischen Museum, die
23. Möbelausstellung des Klubs der Indu-
striellen für Wohnungseinrichtung und Kunst-
gewerbe in der Zedlitzhalle sowie die Beteiligung Oester-
reichs an der Deutschen Gewerbeschau, München
922, deren Clou zweifellos der von Prof. Dr. Oskar Strnad
entworfene geistreiche „Oesterreichische Edelraum” war.
Im Spätherbst erinnerte eine von Hofrat Dr. Trenk-
wald arrangierte Ausstellung von Gläsern des
Klassizismus, der Empire- und Biedermeier-
zeit im Oesterreichischen Museum an eine der erfreu-
lichsten Perioden altösterreichischer Kunstindustrie.
Gleichfalls ein Jubiläum — die 25jährige Tätigkeit Prof.
Rudolf Larisch’ als Leiter des Kurses für ornamentale
Schrift an der Kunstgewerbeschule und verwandten An-
stalten — ließ am selben Orte im April 1923 eine Aus-
stellung der Larisch-Schule erstehen, die nicht nur über
die kunsterzieherische Macht der Schriftpflege, sondern
auch über die mannigfaltige praktische Verwendung der
ornamentalen Schrift im Kunstgewerbe belehrte.
Der 16. April 1923 brachte dem österreichischen Kunst-
handwerk einen schweren Verlust. An diesem Tage
erlag Dagobert Peche in seinem Mödlinger Heim, kaum
sechsundreißigjährig, einem schweren Leiden, das ihn
zeit Ende 1922 dauernd ans Bett gefesselt hatte. Mit ihm
3ank der fähigste Kopf des kunstgewerblichen Nach-
wuchses, der Begründer eines die Zeitnot vergessen
‘assenden Kunststiles, ins Grab, der eben im Begriffe
war, sich in raschem Siegeslaufe die ganze Welt zu er-
obern. Was alles mit Peche dahingegangen war, wurde
erst so recht klar, als die im Anschluß an eine Aus-
stellung von Arbeiten des österreichischen
Kunsthandwerks seitens der Gesellschaft zur För-
derung moderner Kunst in Wien im Oegesterreichischen
Museum ins Werk gesetzte Dagobert Peche-
Gedächtnisausstellung den überwältigenden Reich-
tum dieses Künstlers an dekorativen FEinfällen in aus-
zeführten Werken und Handzeichnungen enthüllte. Ein
nicht geringer Teil der Originalskizzen Peches ist seit-
her in den Besitz der Bibliothek des Oesterreichischen
s) Den Gesamtbesitz des Oesterreichischen Museums an
orientalischen Teppichen veröffentlichte Hermann Trenk-
wald im I. Bande des im Verein mit Friedrich Sarre heraus-
zegebenen:Monumentalwerkes „Orientalische Teppiche”, Wien.
Anton Schraoll & Co., 1026.
Viuseums übergegangen und wird daselbst als kostbares
Vermächtnis des uns allzu früh Entrissenen sorgsam gehütet.
Das Jahr 1024 begann mit einer Ausstellung der von
Richard Teschner für die Wiener Gobelinmanu-
“aktur A. G. angefertigten Kartons zum Bildteppich
‚Planetarium” (Künstlerhaus), brachte im Februar im
Desterreichischen Museum eine Ausstellung von Mode-
zeichnungen aus der. Schule des Oberbaurates Prof.
Dr. Josef Hoffmann, im Dezember an gleicher Stelle die
Jubiläumsausstellung „Vierzig Jahre Wiener Kunst-
gewerbeverein”, um deren effektvolle Raumgestaltung
sich Prof. Otto Prutscher verdient machte!). Der
schöne Erfolg dieser Schau, an welcher sich die besten
Kräfte der Wiener Werkkunst beteiligten, zeugte von
ler ungeschmälerten Lebenskraft des Vereines, der sich
aach Jahren freiwilliger Zurückhaltung nun wieder der allge-
meinen Anerkennung seiner Bestrebungen erfreuen konnte.
Aber mehr noch als die lokalen Unternehmungen be-
schäftigten um diese Zeit die Vorbereitungen zur Inter-
nationalen Kunstgewerbeausstellung Paris
1925 die gesamte österreichische Kunstgewerblerschaft.
Galt es doch .— zum erstenmal nach dem Kriege — im
nichtdeutschen Auslande sein Bestes zu zeigen, mit den
Kulturstaaten fast der ganzen Welt (Deutschland blieb
ler Ausstellung fern) in Wettbewerb zu treten. Die
Dberleitung der österreichischen Abteilung war Prof.
Tosef Hoffmann als Chefarchitekten anvertraut worden,
ler auch den Bau des österreichischen Nationalpavillons
zemeinsam mit den Architekten Prof. Dr. Oskar Strnad;
’rof. Dr. Josef Frank und Prof. Dr. Peter Behrens
lurchführte.. Trotz der Verschiedenheit dieser Künstler-
ındividualitäten wirkte der österreichische Pavillon, an
welchem Hoffmann das eigenartig profilierte, am Cours
1a Reine gelegene Repräsentationshaus, Strnad den wohl-
proportionierten Orgelturm, Frank das reizende Kaffee-
ı1aus und Behrens das hart über dem Seineufer gelegene
Slashaus entworfen hatte, keineswegs unharmonisch,
;sondern wie aus einem Guß geschaffen, und hob sich
zerade durch seine Stilreinheit wohltuend von den meisten
3auten seiner Umgebung ab. Auch die von Hoffmann
3rsonnene originelle Ausstattung der Schauräume; die
ınter anderem einen sehr stimmungsvollen „Kultraum”
nit Blechplastiken der Hanak -Klasse umschlossen, ver-
ehlte nicht ihren Eindruck auf die ausländischen Be-
‚ucher und trug wesentlich zu dem großen künstlerischen
Irfolge bei, den die österreichische Exposition in Paris
>rrang. Im Grand Palais war eine Kollektivausstellung
ler kunstgewerblichen Bundeslehranstalten (Arrangement
‚on Prof. Karl Witzmann), überdies eine österreichi-
;che Buchkunst-, Architektur- und Theaterausstellung
zu sehen, in den Hallen an der Esplanade des Invalides
2atte man eine Anzahl Interieurs untergebracht, welche
lie Wiener Möbelindustriellen A. Pospischil, J. Soulek,
A. Herrgesell, A. Ungethüm, R. Lorenz, C. Bamberger
und die Firma „Haus und Garten” beigestellt hatten.
Es würde zu weit führen, hier in alle Details ein-
zugehen; man wird dies besser in den zahlreichen aus-
führlichen Berichten nachlesen. die über die Ausstellung
1) Vgl. über diesen Künstler das Buch von Max Eisler:
Otto Prutscher (Neue Werkkunst 1), Leipzig, Hübsch-Verlag-
025.