Full text: David Ricardo und die Grenzwerttheorie

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Kultur in der Seele des Menschen, worin die Zweck 
mäßigkeit der reinen Formen der Objekte ohne Bezug 
auf konkrete Interessen des Subjekts (es handelt sich 
um Zweckmäßigkeit ohne Zweck, wie es Kant genial 
definiert) auf Grund von reinen Anschauungen (Kon 
templationen) empfunden wird. 
Eine das Leben hemmende Lage äußert sich außer 
in Form eines unbestimmten Unlustgefühls auch im 
konkreten Bild des Bedürfnisses, welches schon eine 
gewisse Erkenntnis des Unlust erregenden Objekts und 
der mutmaßlichen Weise seiner Beseitigung anregt und 
voraussetzt. Ein Bedürfnis erregt im Menschen not 
wendigerweise die Begierde zum Mittel der Abhilfe, 
und dieses Begehren ist die Grundtatsache jeder Willens 
und Tätigkeitsentfaltung und jeder Erkenntnis über 
haupt. Darum treibt uns oft genug im Leben das 
Bedürfnis zur Erkenntnis des Nützlichen und Schäd 
lichen, des Guten und Bösen. Darin liegt eben die 
große Bedeutung des Bedürfens und des Leidens, daß 
erst durch diese unser Willens- und Erkenntnisvermögen 
angeregt, höhere Daseinsformen hervorgebracht werden. 
Denn die höhere Daseinsform verwirklichen ist nichts 
anderes, als das Gleichgewicht zwischen den inneren 
Kräften des seelischen Lebens, welche sich als Wünsche 
und Bedürfnisse äußern, und der Konstellation der um 
gebenden Natur wiederherstellen. 
Nur auf Grund dieser Gedanken werden die Worte 
Spinozas verständlich: „Die Erkenntnis des Guten und 
Schlechten ist nichts anderes als der Affekt der Lust 
oder Unlust, sofern wir uns derselben bewußt sind.“ 
(Ethik, IV. Teil.) Aus diesen Worten erhellt, daß das 
Gute das im eminenten, im tiefsten Sinne des Wortes 
Lustaffekt Erzeugende ist, das mit den Lebensinteressen 
des Individuums und des Menschengeschlechts direkt 
oder indirekt verknüpft ist, das oft nicht erkannt und
	        
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