Ausbau des römischen Reiches deutscher Nation. 273
auf Heinrich III. der äußerst energische böhmische Herzog Bre—
tislaw den Plan Boleslaw Chrobrys noch einmal durchzuführen.
Schon vor der Besteigung des böhmischen Herzogstuhles hatte er
Mähren mit dem altökechischen Lande vereinigt; jetzt versuchte er
seine Herrschaft zu einem slawischen Großreich zu erweitern. Er
überzog Polen mit Heereskraft; furchtbar hausten die dechischen
Barbaren in der Gegend von Gnesen, von wo sie den Leichnam
des heiligen Adalbert als kostbarste Beute zur Heimat führten.
Darauf unternahm Bretislaw, gestützt auf die helfende Kraft
der neuen Reliquien, den Versuch, die böhmische Kirche aus ihrer
Abhängigkeit von der deutschen zu lösen. Der Prager Bischof
Severus verleugnete seine Abhängigkeit vom Mainzer Erzstuhl,
er erbat das römische Pallium als Zeichen eigenständiger Würde.
König Heinrich III. hatte allen Grund, diesen Versuchen
entgegenzutreten. Er fiel in Böhmen ein, ließ sich aber zu leicht
durch Versprechungen Bretislaws zum Abzug bewegen.
Bretislaw suchte später Hilfe in Ungarn. Die Magyaren
waren seit dem Jahre 1000 unter dem heiligen Stephan national
geeint; fast gleichzeitig begann ihre Abneigung gegen alles
Deutsche, genährt und veranlaßt zum Teil durch das immer
energischere Vordringen der Deutschen donauabwärts nach Osten.
So entsprach König Peter, ein venetianischer Edler, der im
Jahre 1038 Stephan dem Heiligen gefolgt war, dem Rufe
Bretislaws um so lieber, als er in Ungarn im Verdachte
deutscher Neigungen stand.
Heinrich III., nunmehr vor zwei Gegner gestellt, versuchte
vor allem sich Bretislaws zu entledigen. In zwei Heereszügen
von gewaltiger Kraftanstrengung, in denen das Prinzip des
Centralangriffes von mehreren Seiten her vollendet zur Wirkung
kam, versuchte er die Cechen zu knebeln. Im Jahre 1040 miß⸗
lang der Plan. Aber inzwischen war unter den Cechen selbst
Uneinigkeit entstanden; eine Partei unter Bischof Severus ent—
sagte den weitgespannten Idealen des Herzogs. Diese Wen—
dung zwang auch Bretislaw zur Nachgiebigkeit. Nach vorher—
gegangenen Verhandlungen demütigte er sich vor Heinrich zu
Regensburg in den sinnlich-symbolischen Formen der Zeit;
Lamprecht, Deutsche Geschichte II. 18