Die Betriebsarbeit.
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jeden einzelnen Menschen gegeben ist. Auch abgesehen von den Nicht-Arbeitsfähigen (Kindern,
Kranken, Greisen) hat es zu allen Zeiten und bei allen Völkern Menschen gegeben, die
es durchaus verstanden haben, die Notwendigkeit (und die Last) des Arbeitens mehr oder weniger
auf andere Gattungsgenossen abzuwälzen, wie überhaupt die Menschen in den verschiedenen
Zeitaltern eine verschiedene Stellung zu der Arbeit eingenommen haben. Man
denke nur an die eigenartige Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau bei den Naturvölkern,
wo die Frau die eigentliche Wirtsohaftsarbeit verrichtete und der Mann sich der Jagd widmete,
in den Krieg zog oder die Stammesangelegenheiten besorgte. Oder an die weit verbreitete Erscheinung
der Sklavenarbeit, die sich nicht nur auf Muskeltätigkeit bezog, vielmehr auch geistiger
oder künstlerischer Art sein konnte. Die Herrenvölker des Altertums verachteten die
Arbeit; sie empfanden sie als einen Fluch, der auf dem Menschengeschlecht lastete, eine Auffassung,
die noch heute bei vielen Völkern anzutreffen ist.
Eine grundsätzliche Änderung brachte das Christentum, indem es die Arbeit als eine Bewährung
vor Gott erklärte; diese Auffassung erfährt in den Klöstern des beginnenden Mittelalters
ihre höchste Vollendung: die Arbeit wird zum Gottesdienst. Die Reformation gibt diese
starre Bindung wieder frei, und der Calvinismus sieht in dem Erfolg der Arbeit die eigentliche
Bewährung vor Gott. Damit rückt die Arbeit zum Selbstzweck empor; im Kapitalismus wird
der Mensch der Arbeit untergeordnet (Esohmann). Die Freude an der Arbeit ist hier nur bei
wenigengeblieben; die alte Auffassung vom Fluch der Arbeit bricht wieder hervor. Indem
der Nationalsozialismus die Politik zum Schicksal erklärt, die Wirtschaft der Politik unterstellt,
erhält die Arbeit einen übergeordneten Sinn: Dienst an der Volksgemeinschaft. Der Nationalsozialismus
verkündet das Recht auf Arbeit, das er durch seine Maßnahmen zur Bekämpfung
der Arbeitslosigkeit zu verwirklichen trachtet. Die Arbeit erhält dadurch einen
neuen Wert: die beglückende Befriedigung aus der Arbeit wird nicht mehl allein in der Arbeit
selbst empfunden, sondern auch in Verbindung mit der Volksgemeinschaft gebracht. „Die
Arbeit ist die dynamische Kraft des Lehens“ (Mönckmeier).
Angesichts dieser Bedeutung der Arbeit für den einzelnen Menschen, den Wirtsohaftsbetrieb
wie für die Volksgemeinschaft kann es nicht wundernehmen, wenn
der Arbeit eine besondere wissenschaftliche Behandlung und ein ausführliches
Schrifttum zuteil wird. So ist eine eigene Arbeitswissenschaft entstanden, die von
der Arbeit als solcher ausgeht, ihr Wesen, Vorkommen und ihre Eigentümlichkeiten
untersucht und ihre Bedingtheiten und Ausstrahlungen nach allen Richtungen
des menschlichen Gemeinschaftslebens hin verfolgt.
über das umfangreiche Gebiet, das die Arbeitswissenschaft zu überspannen versucht,
gibt die Anzeige über das Erscheinen eines Handbuchs der Arbeitswissenschaft interessanten
Aufschluß. So enthalten: Band I und II die medizinischen Grundlagen der Arbeit, die Psychologie
der Arbeit, die Fertigungslehre (!), die Arbeitspädagogik, das Arbeitsrecht, die Wirtschaftslehre
der Arbeit, die Philosophie der Arbeit — insgesamt 2612 Seiten; Band III: Die
Arbeitsmedizin umfaßt die Anatomie und Physiologie der Arbeit, Arbeitshygiene und Arbeiterschutz,
Pathologie und Therapie der Arbeit; Band IV: Handbuch psychoteohnischer Eignungsprüfungen
; Band V: Objektspsychotechnik: Arbeits- und Berufspsychologie, Psychotechnik der
Organisation in Fertigung, Verwaltung, Werbung, Psychotechnik der Menschenwirtsohaft —
bei diesem Unikum von Wort- (und Sach-)bildung wollen wir Schluß machen und nur noch
feststellen, daß das Handbuch allein über 6000 Seiten stark ist. (Fürwahr: eine gewaltige Arbeit
sowohl von seiten der Verfasser als auch auf seiten der Leser!) Man erkennt aus der Inhaltsübersicht
zugleich das System der Arbeitswissenschaft: Zusammenfassung aller auf die Arbeit
bezüglichen Tatsachen, Vorgänge, Maßnahmen und Wirkungen und Heranziehung aller
Wissenschaftsgebiete, die mit der Arbeit irgendwie Zusammenhängen. Zu letzteren gehört
auch die Wirtschaftslehre; sie erscheint hier als ein kleiner Unterteil der Arbeitswissenschaft.
Demgegenüber gehen wir in der Wirtschaftslehre von dem Wirtschaftsbetrieb
aus: in diesem erscheint die Arbeit als ein wichtiges Mittel des Wirtschaftens, also
des Betriebs. Wenn daher im folgenden weiter von Arbeit die Rede ist, so geschieht
dies in Zuordnung der letzteren zum Betrieb (oder, wie man auch sagt: vom Betriebe
aus gesehen, womit jedoch keinerlei Beengung in den Aussagen verbunden
zu sein braucht).
In dem Schrifttum der Wirtschaftslehre ist es üblich, verschiedene Arten der
Betriebsarbeit zu unterscheiden; So gliedert z. B. Philippovich die Arbeit in:
1. die auf den Wirtschaftsplan gerichtete, 2. die leitende technische (eigentlich
technische), kaufmännische oder ordnende und 3. die ausführende Arbeit. Bei
Julius Wolf finden wir folgende Gliederung: 1. die schöpferische, vornehmlich