Die Freiheitskriege: 1809, 1818.
407
entschied sich für ein Drittes: den Kampf gegen die Franzosen
an der Seite der Russen.
Von durchschlagendem Einflusse hierauf war, was sich
inzwischen in der Provinz Preußen ereignet hatte und noch
ereignete.
Da war Stein am 22. Januar 1813 eingetroffen und
hatte im Auftrage des Zaren die Verwaltung des Landes so
lange an sich genommen, bis der König von Preußen ein Ab⸗
kommen mit Rußland getroffen haben werde. Da hatte Stein
daraufhin das Land von dem Drucke der Kontinentalsperre
befreit, dadurch den Bruch mit Frankreich vollzogen und, zur
innerpolitischen Legalisierung gleichsam seines Vorgehens, die
Stände von Ostpreußen und Litauen zum Landtage ein—
berufen. Und da hatte Stein endlich und vor allem mit
Yorck verhandelt.
VYorck aber folgte Steins Anschauungen und Absichten.
Es war, nach Steins kräftigem Anfange, die Besiegelung eines
selbständigen Vorgehens der Provinz Preußen in jeder Richtung.
Denn nun konnte auch von einer Neutralität nach außen hin
in keiner Weise mehr die Rede sein; im Beginne seiner mili⸗
tärischen Selbständigkeit befand sich das Land zugleich im
Kriegszustande gegen Frankreich. Die Lage kam voll zum
Ausdruck, als Yorck, von den Ständen eingeholt, am 5. Februar
als Generalgouverneur im Landtage erschien, das Land zur
Bewaffnung aufforderte und seine dahin zielenden Gesetzentwürfe
vortrug. Und nun begannen hier, in Königsberg, die herr⸗
lichsten Tage wohl der ostpreußischen, ja der preußischen Ge⸗
schichte; eine Landsturm- und Landwehrordnung, von Dörn⸗
berg, Clausewitz, Alexander Dohna entworfen, wurde wenige
Tage darauf genehmigt; und 18000 Mann Reserve, 20 000
Mann Landwehr sowie 750 Freiwillige zu Pferde fingen an,
zur Ergänzung und Verstärkung der Truvven Norcks unter die
Waffen zu treten.
Es waren Ereignisse wie ein Märchen. Und doch: in wie
viel tausend Einzelheiten erinnern sie an die großen Zeiten
Tirols im Jahre 1809! Nur daß, was dort der Bauer ver—