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folgt. 1865 hatte ein Arbeiter erst 77 Spindeln zu bedienen, 1875
sind es 86, zehn Jahre später 102, und im Jahre 1900 doppelt soviel
als vor 30 Jahren, nämlich 159.
Zum Schluß sei es uns gestattet, über den Handel mit Baum
wolle und Baumwollwaren die Hauptzahlen zusammenzustellen. Georg
Gothein gibt in seinem schon genannten ausführlichen Werke schätz
bare Zusammenstellungen, allerdings unter Hervorkehrung seines frei
sinnigen Parteistandpunktes. Er fordert u. a. Herabsetzung des Zolls
auf feine Garnnummern, um den Export von Webwaren zu fördern,
er meint, das würde der deutschen Baumwollindustrie wenig Schaden
tun, „da nur wenige Betriebe das Spinnen dieser feinen Nummern
aufgenommen haben und dasselbe in Deutschland infolge seiner klima
tischen Verhältnisse stets nur eine Treibhauskultur bleiben dürfte“ —
eine Ansicht, die er an der Hand des von uns früher gegebenen
Tatsachenmaterials kaum aufrecht erhalten kann. Weiterhin be
klagt er den Rückgang der Warenausfuhr nach Brasilien, die mit
dem Rückgang der deutschen Auswanderung dorthin infolge des
von der Heydtschen Reskripts gleichen Schritt gehalten hätte. In
den Anlagen habe ich auf Grund der Spezialhandelsstatistik') die
Handelsbeziehungen zu den wichtigsten Ländern dem Werte nach
selbständig dargelegt. Den Löwenanteil der Einfuhr beanspruchen rohe
Baumwolle und Baumwollabfälle, es folgen Baumwollgarne über
No. 79 und No. 18 bis 45, dann rohe, dichte Gewebe, die sehr zahl
reich im Veredelungsverkehr eingehen (seit 1897 zum Spezialhandel
gehörig) und schließlich Spitzen und Stickereien. In der Ausfuhr
dominieren Gewebe aller Art, Strumpfwaren, Spitzen und Stickereien,
Posamentierwaren und Näh-, Häkel- und Stickgarne, auch wird viel
rohe und in den Anfangsstadien der Verarbeitung befindliche Baum
wolle ausgeführt. Für die Erkenntnis der industriellen Entwicklung
genügt es m. E., wenn wir die Entwicklung des auswärtigen Handels
einmal im ganzen nach Warengattungen und dann in den wichtigsten
Waren mit den wichtigsten Ländern — und das ist Europa und die
Union — kennen. In der Einfuhr ist besonders die Entwicklung
der Garneinfuhr der feineren Nummern beachtenswert, namentlich
das unaufhaltsame Ansteigen bei Großbritannien. Noch auf einen
.Punkt sei die Aufmerksamkeit des Lesers gelenkt, nämlich auf die
Einfuhr von roher Baumwolle. Es ist ganz auffallend, welch ein
großer Teil derselben früher auf dem Wege des Zwischenhandels,
0 Vgl* „Der auswärtige Handel des deutschen Zollgebietes 1880—1897“, heraus
gegeben vom Reichsamt des Innern [nicht vom Kais. Stat. Amt!] Berlin 1898 und ferner
Bd. CLII, N. F. der Statistik f. d. D. R.