125
daher der heute herrschenden individualistischen Vorstellungs
weise erscheinen mag: die Wirtschaftsverbände sind ihrer
reinen Natur nach Unterganzheiten der Volkswirtschaft. Sie
haben sogar die Fähigkeit, nicht nur die jeweiligen Gebiets
wirtschaften, sondern auch die ganze Volkswirtschaft zu über
höhen, indem sie sich zu weltwirtschaftlichen „Konzernen"
und Mächten (s. die Hansa!) auszuwachsen vermögen. Gerade
das beweist, daß die Gemeinsamkeitsreife kein Privileg des
„Staates" (als „Volkswirtschaft") ist, sondern überall erfolgen
kann, soweit körperschaftliche und ständische Wirklichkeit reicht.
d) Tausch und Kauf.
Ein weiteres Bedenken könnte sich auf das Fehlen des
Tausches im oben (S. 111) bezeichneten Stufenbau beziehen.
Hier ist aber zu bemerken, daß diese ganze Tafel wie über
haupt alle unsere Erörterungen nur dann richtig sind, wenn der
ganzheitliche Standpunkt angenommen und der individua
listische verworfen wird. Es muß daher auch der individua
listische Begriff des Tausches verworfen werden, wenn unsere
Tafel gültig sein soll. Dieser individualistische Tauschbegriff
geht aber dahin: daß der Tausch durch Zusammensetzung der
wirtschaftlichen Handlungen einzelner Individuen in seinem
Wesen bezeichnet sei. Nach unseren Voraussetzungen ist dies
unrichtig. Tausch besteht nicht darin, daß mehrere einzelne
Wirtschafter bestimmte wirtschaftliche Handlungen mosaikartig
zusammensetzen, sondern darin: daß er bestimmte gliedliche Un
terganzheiten der Wirtschaft organisch miteinander verbindet
und auseinandersetzt. Wenn z. B. der Sckuster A vom Gerber
B Leder kauft, so ist das Wesentliche nicht das, daß ein ge
wisser A und ein gewisser B irgendwelche Handlungen voll
ziehen (das ist vollkommen uninteressant); sondern die Tat
sache: daß der lederverbrauchende als verarbeitender Betrieb
mit dem ledererzeugenden Betrieb in jene Verbindung tritt.