Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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daher der heute herrschenden individualistischen Vorstellungs 
weise erscheinen mag: die Wirtschaftsverbände sind ihrer 
reinen Natur nach Unterganzheiten der Volkswirtschaft. Sie 
haben sogar die Fähigkeit, nicht nur die jeweiligen Gebiets 
wirtschaften, sondern auch die ganze Volkswirtschaft zu über 
höhen, indem sie sich zu weltwirtschaftlichen „Konzernen" 
und Mächten (s. die Hansa!) auszuwachsen vermögen. Gerade 
das beweist, daß die Gemeinsamkeitsreife kein Privileg des 
„Staates" (als „Volkswirtschaft") ist, sondern überall erfolgen 
kann, soweit körperschaftliche und ständische Wirklichkeit reicht. 
d) Tausch und Kauf. 
Ein weiteres Bedenken könnte sich auf das Fehlen des 
Tausches im oben (S. 111) bezeichneten Stufenbau beziehen. 
Hier ist aber zu bemerken, daß diese ganze Tafel wie über 
haupt alle unsere Erörterungen nur dann richtig sind, wenn der 
ganzheitliche Standpunkt angenommen und der individua 
listische verworfen wird. Es muß daher auch der individua 
listische Begriff des Tausches verworfen werden, wenn unsere 
Tafel gültig sein soll. Dieser individualistische Tauschbegriff 
geht aber dahin: daß der Tausch durch Zusammensetzung der 
wirtschaftlichen Handlungen einzelner Individuen in seinem 
Wesen bezeichnet sei. Nach unseren Voraussetzungen ist dies 
unrichtig. Tausch besteht nicht darin, daß mehrere einzelne 
Wirtschafter bestimmte wirtschaftliche Handlungen mosaikartig 
zusammensetzen, sondern darin: daß er bestimmte gliedliche Un 
terganzheiten der Wirtschaft organisch miteinander verbindet 
und auseinandersetzt. Wenn z. B. der Sckuster A vom Gerber 
B Leder kauft, so ist das Wesentliche nicht das, daß ein ge 
wisser A und ein gewisser B irgendwelche Handlungen voll 
ziehen (das ist vollkommen uninteressant); sondern die Tat 
sache: daß der lederverbrauchende als verarbeitender Betrieb 
mit dem ledererzeugenden Betrieb in jene Verbindung tritt.
	        
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