Kaffee
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Kaffee-Ersatzstoffe
betriebe entweder in Dampfzylindern (Dampf-
kaffee) oder neuerdings vielfach mit elektri
scher Heizung. Für den Haushalt ist es am
besten, nicht zu große Mengen auf einmal zu
brennen, da längeres Aufbewahren den Wert ver
ringert. Das Brennen darf nur unter langsamem
Drehen der Trommel, bei gleichmäßigem Feuer
und nur so lange erfolgen, bis die Bohnen an
fangen zu knallen und sich hell kastanienbraun
färben, nicht aber bis zum Schwitzen und Fettig-
werden. Der Gebrauch, etwas Butter mit in die
Trommel zu tun, damit die Bohnen ein glänzen
des Aussehen bekommen und die Schmutzschicht
besser loslassen, ist nicht zu empfehlen und bei
vorherigem Waschen überflüssig. Heißes Wasser
entzieht dem stark gerösteten K. mehr lösliche
Bestandteile als dem schwach gerösteten, der
erstere ist aber bitterer und weniger aromatisch.
Zur Aufbewahrung sind verschlossene Büchsen
zu verwenden. Die Kaffeebereitung geschieht
durch Kochen der gemahlenen, gerösteten Boh
nen mit Wasser, oder durch Aufgießen von sie
dendem Wasser und Filtration mittels Kaffee-
sacks oder Kaffeesiebs (Arndtscher Kaffee-
trichter). Das erstere Verfahren gibt bessere Aus
nutzung der löslichen Stoffe, aber auf Kosten des
Geschure ks, da das Vrotna zum Teil verloren
geht. Der K. gehört zu den aikaloidhahigru
Gumißmilteln. erregt aas Gefäß- und .Nerven
system, beschleunigt den Pul- /euci Wä'ine-
gefüh, verringert die. Zahl u r Vermöge ;i:nö
regt die geistigen Fähig'-"-lieh iiu-i Gedanken
an. Gleich • big vcfsehet cht er den Schlaf, vor-
mehrt die Harnabsimderunfe und steigert die Ar
beitsleistung. Sein wi Irrigster Bestandteil ist
das Koffein /-•. <1. . von welchem dt" rohe K.
etwa i,2o/o enthält. W-eiier sind vorhanden te :l /o
Brotein, 12,30/0 Fett, 8,5 % Zucker, 32,80/0 stick
stofffreie Extraktstoffe (darunlcr 3—6% Kaffee
gerbsäure), 18,20/0 Holzfaser, n,2°/o Wasser und
3,8 °/o Asche. Durch das Rösten entstehen aro
matische Stoffe unbekannter Art, während der
Zucker größtenteils in Karamel übergeht, das
Koff ein aber nahezu unverändert bleibt. Der K.
unterliegt in ganzem wie in gemafilcncm Zu
stande zahlreichen Verfälschungen. Zwar hat
die Unterschiebung völlig nachgemachter Boh
nen aus Ton, Steinnuß oder Mehltoig ziemlich
aufgehört, seitdem der sog. Gassensche Kunst
kaffee durch Bundesratsbeschluß verboten wurde,
aber sehr häufig wird der rohe K. noch mit
Berlinerblau, Indigo, Talk, Kurkuma, Chromgelb
oder Ocker künstlich gefärbt, um schlechter
oder mißfarbiger Ware ein schöneres Aussehen
*u verleihen. Mit dem Rösten sind weiter zahl
reiche Kunstgriffe verbunden, die entweder das
Gewicht erhöhen oder ein schöneres Aussehen
kervorrufen sollen, wie Zusätze von Zwiebeln,
Kakao oder Alkalien. Das sog. Glasieren wird
((Urzeit meist als zulässig angesehen, falls dabei
Zucker oder Schellack in nicht zu großer Menge
(höchstens 7 bzw. 0,5 Teile auf 100 Teile Roh
kaffee) benutzt werden und die Bezeichnung „mit
Sebranntem Zucker oder Schellack überzogen“
angebracht wird. Hingegen ist die Verwendung
anderer Überzugsstoffe wie Tannin, Paraffin oder
Glyzerin sowie die Verdeckung minderwertiger
Beschaffenheit durch Überzugsstoffe zu verwerfen.
Unzulässig ist auch die Behandlung mit Soda.
Pottasche, Kalk, Zuckerkalk und Ammonsalzen.
Der Wassergehalt soll 12% bei Rohkaffee, 50/0
bei geröstetem K. nicht übersteigen. Ganz oder
teilweise des Koffeins beraubter K. muß ent
sprechend gekennzeichnet sein, und zwar als
„koffeinarm“, wenn er höchstens 0,2°/o, als kof
feinfrei, wenn er höchstens 0,8 0/0 Koffein ent
hält. Zusätze fremder Stoffe auch zu als „Kaffee-
mischung" bezeichneten Proben haben als Ver
fälschung zu gelten. Ihr Nachweis erfolgt mit
Hilfe der chemisch-mikroskopischen Analyse. —■
Nach ihrer Herkunft unterscheidet man zahl
reiche Kaffeesorten, deren Form, Farbe, Rein
heit und Aroma die mannigfaltigsten Abwei
chungen zeigt. Als wertvollste gilt, der aus ei
runden grünlichen Bohnen bestehende arabi
sche oder Mokka-K„ welcher kaum zu uns ge
langt und im europäischen Handel vielfach durch
untergeschobene Java- und Zeylon-K. ersetzt wird.
Der Güte nach folgen dann die niederlän
disch-indischen Sorten, von denen der glän
zende weißliche bis hochgelbe oder gelblich-
bräunliche Java am höchsten geschätzt wird. Ge
ringere Javas sind bräunlich oder bräunlichgrün,
oder, wie der Samarang, gelbbraun und groß
bohnig, oft mit schwarzen untermengt. Von Ze-
lebcs stammt der gelbe bis hlaßgrünliche, groß
bohnige, vorzügliche Menado und der ähnlich
aussehende, aber minderwertige Makassar. Als
geringste ostindische Sorte gilt der Sumatra
mit großen dunkelgelben und braunen Bohnen,
der meist hach China geht. Die Philippinen lie
fern den Manila. Sehr wertvoll ist der Plan-
lat io n-Zeyl 011 mit kleinen, schmalen, blau-
grünen Bohnen, während die längeren, gelb
grünen Natives von Zeylon weniger geschätzt
werden. Das indische Festland liefert die ziem
lich breiten, grünlichen und an der Innenfläche
konkaven Neilgherrys, ferner Mysöre und
Madras, die Insel Bourbon die ungleichmäßige
Sorte Reunion und DeutschostafrikadenUsam-
bara. Von den westindischen Kaffeesorten gelten
Kuba und Portoriko als die besten, dann fol-
genjamaika und S.Domingo, und vom mittel-
amerikanischen Festlande Mexiko, Kostarika,
Guatemala und Nikaragua. Aus Südamerika
sind zu erwähnen Surinam, eine vorzügliche
Sorte mit kleinen grünlichen Bohnen, und die
zahllosen brasilianischen Sorten, von denen Rio,
Santos, Bahia und Kampinas die bekannte
sten sind. Nicht als Kaffeesorten, sondern als Er
satzmittel sind aufzufassen der Sultan- oder
Sakka-K. (Cafe ä la Sultane), der aus dem ge
rösteten Fruchtfleische, und der Cafe moude
(Krischet), der aus den gerösteten Schalen be
steht. Zum Versand gelangt der K. als Gut,
Mittel, Ordinär und Triage (d. s. zerbrochene,
mißfarbige Bohnen): Brack-K., marinierter
oder havarierter K. ist durch Seewasser ver
dorben. Die Gesamterzeugung an K. wird
jetzt für den Handel auf mindestens 1V2 Milliar
den Kilogramm veranschlagt. Davon liefert Bra
silien etwa i,i Milliarden, das übrige Amerika
300, Asien und Afrika 10—15 Millionen. Der
Kaffeeverbrauch ist in beständiger Zunahme be
griffen und beträgt in Deutschland mehr als
200 Millionen Kilogramm.
Kaffee-Ersatzstoffe nennt man Zubereitun
gen, die durch Rösten von Pflanzenteilen, auch