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ihm zu bereichern, jo ergibt sich, wie Walter Rathenau' in seinen geist
vollen Schriften „Von kommenden Dingen" (Abschnitt: „Der Weg der
Wirtschaft" und neuestens in seiner Broschüre „Nach der Flut" im Aufsatz
„Sozialisierung und Hein Ende", S. 13 fsg. überzeugend nachgewiesen hat)
das „ganz Ueberrafchende, kaum Glaubliche, daß im Lauf der Jahre das
Unternehmen, selbst wenn es noch so glänzende Erträge erzielt hat, dennoch
mehr Geld empfangen, als ausgezahlt hat. Das Werk hat hohe Gehälter und
Löhne entrichtet und darüber hinaus an seinem eigeneu Wachstume ge-,
arbeitet. Im Zeitraum von dreißig Jahren mutzte die industrielle Anlage
mindestens dreimal erneuert werden, .„Maschinen halten etwa 'zehn Jahre,
Gebäude länger, Werkzeuge und Einrichtungen kürzer, das meiste aber mutz
ersetzt werden, bevor es verbraucht ist, weil es veraltet." (Rathenau: Nach
der Flut, S. 15.) So mutz der Mehrwert größtenteils dem Unternehmen als
solchem wieder zugeführt werden. „Der Sinn des Mehrwerts und Profits
ist Wirtschaftsrücklage. Ganz gleichgültig, wer den Mehrwert in Empfang
nimmt oder verwaltet,, abgeschafft kann er nicht werden, verbraucht werden
darf er nicht. Aus dieser Quelle kann und wird nie der einzelne seine Le
bensführung verbessern." (Rathenau a. a. O., S. 19.)
Auch das wird unbestreitbar sein, datz die Arbeiter und Angestellten zu
folge ihrer machtvollen Organisationen, ihrer Gewerkschaften, heute und
schon seit Jahrzehnten sehr wohl in der Lage sind, auf die Höhe des Ar
beitslohnes einen bestimmenden Einfluß auszuüben, ihn weit über die
Eestellungskosten der Ware „Arbeitskraft" hinauszutreiben und auf die
Weise die durchaus veränderliche Rate des Mehrwerts erheblich zu kürzen.
Auch diese Betrachtungen werden geeignet sein, dem Begriff des „Mehr
werts" und seiner schlagw'ortähnlichen Anwendung sehr viel von seiner Ge
hässigkeit zu nehmen.
Die Darstellung von Marx selbst leidet übrigens insofern an einem
schweren klaffenden Widersprüche, als er in seinem fast ein Menschenalter
später — erst 11 Jahre nach seinem Tode 1894 — erschienenen dritten Bande
des „Kapital" (S. 120—179, insbesondere S. 156 flg.) selber des langen und
breiten durchaus zutreffend ausführt, datz im heutigen Zeitalter der kapi
talistischen Produktionsweise nicht die gesellschaftlich notwendige Durch
schnittsarbeitszeit, sondern die Produktionskosten zuzüglich des üblichen Ka
pitalgewinnes den Warenpreis bilden. Damit hat er sein Wertgesetz und
seine Mehrwerttheorie mit eigenen, Händen erwürgt. „Und erklärt mir
Graf Oerindur diesen Zwiespalt der Natur."
ä) Die Konzentrationstheorie.
Entscheidende Folgerungen aber für die „naturnotwendige" nach ehernen
großen Gesetzen sich vollziehende allmähliche Umwandelung unserer privat
kapitalistischen, auf dem privaten Eigentum an den Produktionsmitteln be
ruhenden Wirtschaftsordnung in die sozialistische Wirtschaftsordnung, in die
Eemeinwirtschaft, hat Marx selber aus seiner Wert- und Mehrwerttheorie
niemals gezogen. Die an sich gewiß sehs wichtigen und interessanten
Lehren bewegen sich daher nur in den Vorhöfen des Marxischen Tempel
baus, sie bilden nur ein Vorwerk des Marxismus, aber nicht sein Volks-