Die Frühromantik.
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Unvergängliches aus dem Kunstwerke klar hervor; und nur zu
häufig blieb es beim Wollen.
Gewiß hat es an Versuchen einer rein realistischen, und
das hieß bei dem immer noch fortgesetzten Steigen des künst—
—VV —
Selbst die reinen Nazarener haben eine Zeitlang starke Anläufe
ins Farbige gemacht, um sich dann freilich um so entschiedener
in das Gebiet der farblosen Zeichnung zurückzuziehen. Und
zur selben Zeit, da Goethe die Pflanze an sich suchte und
fand, begann Runge seine wunderbar naturalistischen Pflanzen⸗
ilhouetten auszuschneiden und malte Baum und Strauch unter
dem Hauche des Impressionismus. Ja selbst das künstlerische
Porträt, wie es der Klassizismus unter Weglassung der „Zu—
fälligkeiten der realen Erscheinung“ zu pflegen begonnen hatte,
und wie ihm seit der Wende des Jahrhunderts in der Litho—
graphie ein erster, anfangs zumeist banausischer Konkurrent er⸗
wuchs, ist doch noch von Runge und anderen Hamburgern wie
bon der regionalen Malerei der meisten Landschaften und Groß—
städte in achtenswerten Erzeugnissen gepflegt worden.
Aber nicht eben dies war die große, die führende Malerei.
Man mag heute die Überreste der zerstreuten Tätigkeit zahl—⸗
reicher Meister mit Liebe aufsuchen als Spuren, die einen neuen
Naturalismus vorherverkünden: schon die Tatsache, daß mit
der eigentlichen romantischen Malerei auch die malerische Technik
früherer Zeiten, insbesondere des Rokokos, verloren ging, be—
weist, in welcher Richtung sich die Zeitströmung auf dem Ge—
hiete der bildenden Kunst bewegte.
Und trat die Fresko- und Kartonkunst der Frühromantik
wie ihr farbenmageres Bild und ihre oft so anziehende Zeich—
nung mit eben diesem Charakter nicht gerade erst recht in den
Reigen des geistig Zeitgemäßen ein? In der objektiven Romantik,
in der von Inhalten geredet werden durfte, blühte vor allem
Volkssage und Märchen. Es ist aber von Malern wie Knille
schon längst bemerkt worden, daß man diesen Stoffen nicht
mit Farbe und Tonstimmung, sondern mit der Form, im
Zeichnerischen, am besten beikommt. Was aber die Formgebung