V]. Das Jch als Massenteilchen
S elten oder nie tritt das Ich zum Staat als Einzelwesen in
Beziehung, das vom Staat um sseiner Persönlichkeit willen
gesucht würde oder Ansprüche an den Staat im Namen seiner
Persönlichkeit stellte. Das steuerpflichtige und wahlmündige Ich
pflegt dem Staat fast nur noch als Masse gegenüberzutreten.
Massen der Steuerzahler, Massen der Wähler, Massen der Zeitungs-
leser, Massen der Kopfarbeiter, Massen der Handarbeiter, Massen
der Arbeitslosen ~ damit hat der Staat von heute andauernd zu
tun. Und selbst die Besitzenden ballen sich, in Trusts und Konzernen,
heute schon zu Massen zusammen.
Was ist eine Masse und wie kommt sie zustande? Masse ist eine
Summe gleichgearteter Teilchen, die nicht träg und willenlos neben-
einanderliegen, sondern die dem Versuch, sie zu trennen, tatkräftigen
Widerstand entgegensetzen. Wer eine geschlossene Masse zu trennen
versucht, wer einen Keil in einen Holzklotz treibt, der spürt, daß
zwischen den Fasern des Holzes Kräfte der Anziehung wirksam sind,
die den trennenden Keil abzuwehren sich bemühen. Kräfte der An-
ziehung spüren wir überall, um uns, in uns. Die Hand, die von
ununterbrochener Arbeit „müde“" geworden ist, verlangt nach einer
Unterlage, darauf sie ausruhen könne. Der ganze Mensch, der
stundenlang in Bewegung war, verlangt danach; es zieht ihn, wie
die müde Hand, unerträglich „nach unten‘’. Der Stein, unter dem
ich die Unterlage wegschiebe, fällt, bis eine neue Unterlage ihn auf-
hält. Was die Masse des Steines nach unten „zieht“, ist, allge-
meiner Annahme zufolge, die Masse der Erde, die wir bewohnen.
Eine einfache Überlegung sagt mir, daß ~ wenn die Masse der
Erde den Stein anzieht ~ die Masse des Steines wohl auch die
Erde anziehen werde. Nur überwiegt die Masse der Erde dermaßen
die Masse des Steins, daß für die sinnliche Wahrnehmung nur
einseitig die Bewegung des Steines zur Erde hin vorhanden ist.
Tatsächlich läßt sich durch wissenschaftliche Versuche feststellen, daß
nicht nur von der Erde, sondern von jeder ,. schweren‘’ Masse eine