fullscreen: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Städtisches Dasein und bürgerliche Gesellschaft. 215 
immer mehr die Spatenkultur. Hier gab es Wein⸗, Obst- und 
Rosengärten, hier wurde Hopfen, Flachs und Waid gebaut. 
Und was zunächst merkwürdig erscheinen kann, auch innerhalb 
der Stadt, in der Nähe der Stadtmauer, bot sich an vielen 
Orten und gerade in den mächtigsten und am schnellsten auf⸗ 
blühenden Städten, die ihre Mauern erweitert hatten, derselbe 
Anblick. Auch hier innerhalb der Stadtmauer Weinberge und 
Kirschgärten, Gemüse- und Blumenanlagen; dem entsprechend 
breite, schmutzige Straßen, und ihnen zur Seite kleine Häuser 
mit einem stattlichen Dunghaufen als Vorbau, bewohnt von 
ärmlicher landbauender Bevölkerung. 
Die Erscheinung erklärt sich aus der Thatsache, daß 
die Städte noch nicht allzulange das bisher ausschließlich 
geltende System der Naturalwirtschaft durchbrochen hatten: 
noch klebten ihnen die Spuren ihrer früheren Daseinsform im 
Sinne eines bevorzugten größeren Dorfes an. Die meisten 
Städte waren noch in starkem Maße Ackerstädte; in Koblenz 
stellte man in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts während 
der Erntezeit die Arbeit an der Stadtmauer wegen mangelnder 
Arbeitskräfte ein; in Frankfurt gab es noch im Jahre 18387 
4 Hirten und 6 Flurschützen, und noch im 15. Jahrhundert 
wurde eine kräftige Verordnung gegen das Umherlaufenlassen 
von Schweinen in den städtischen Straßen erlassen. Die Be—⸗ 
lege für die Thatsache einer weitverbreiteten Ackerbaubevöl⸗ 
kerung auch in den größten Städten sind überaus zahlreich, 
Viehzucht und Gartenkultur standen noch stark entwickelt neben 
Industrie und Handel, ja sie hatten noch ihren eigenen Stand⸗ 
ort in dem Land vor den Thoren, wie in den der Stadtmauer 
zunächstgelegenen Teilen des innerstädtischen Bodens. 
Industrie und Handel dagegen führen in das Centrum 
der Siedelung. Hier bewohnen die Zünfte oft gemeinsam enge 
Gassen mit nach der Straße zu geöffneten Handwerksstuben; 
hier drängen sich nach dem Flusse oder der sonstigen Verkehrs— 
ader zu die Warenhäuser der Kaufleute; hier schmiegen sich 
die kleinen Verkaufslokale des Kramhandels jedem Winkel an. 
Und durchwandert man diese Stadtteile, so trifft man häufig
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.