Full text : Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

Xu

Einleitung

Auch in den spärlichen über die siebziger Jahre verstreuten Briefen
sind noch manche, die die sozialistische Bewegung in den verschiedenen
Ländern behandeln. Besonders wichtig sind die Briefe vom 9. und 10. September
 1879, in denen Marx und Engels den Gegenangriff gegen den opportunistischen
 Vorstoß von Höchberg, Bernstein und Schramm besprechen.
Marx und Engels kam es jedoch nicht auf diese Züricher, aus Dührings
Schule hervorgegangene Intellektuellen-Gruppe an, sondern vor allem
auf die durch die Verhängung des Sozialistengesetzes verwirrten und eingeschüchterten,
 allzusehr „parlamentarisierten“ Parteiführer in Leipzig,
auf Liebknecht und Bebel. Aus den beiden Briefen geht hervor, daß Marx
und Engels im Begriffe waren, sie „öffentlich zu desavouieren“. Durch
welch „schroffe und rücksichtslose“ Kritik sie den Nacken der „Leipziger“
 steiften, ist nun am besten aus dem großen „Expose“ ersichtlich, das
erst vor kurzem zum Vorschein kam und zum Abdruck gelangte.
Einige Briefe aus den Jahren 1879—82 behandeln die Fraktionskämpfe
 innerhalb der französischen Arbeiterbewegung. Sie lassen erkennen,
 welch stark fördernden Anteil besonders Marx an der Schaffung
 der Französischen Arbeiterpartei hatte. In Engels’ Brief vom
11. August 1881 handelt es sich um den Bruch mit dem Gewerkschaftsführer
 George Shipton, in dessen „Labour Standard“ Engels in einer
Reihe von Artikeln die Loslösung von den Liberalen und die Bildung einer
selbständigen proletarischen Arbeiterpartei in England propagiert hatte.
In allen Briefen über die sozialistische Arbeiterbewegung der verschiedenen
 Länder, besonders in den Urteilen über jene Parteien und
Parteiführer, die ihnen am nächsten standen, tritt scharf die Linie des
internationalen revolutionären Marxismus hervor, die Marx und Engels
den sozialistischen und Arbeiterparteien ihrer Epoche gegenüber vertraten
 und für deren Durchsetzung sie einen beharrlichen Kampf führten.
In der Tat, der vertraute Briefwechsel der Verfasser des Kommunistischen
Manifests zeigt in anschaulicher Weise, daß sie stets verstanden haben,
„in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen,
 von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proietariats
 hervorzuheben und zur Geltung zu bringen“ und in den Kämpfen
 der Gegenwart immer zugleich die Interessen der Zukunft der proletarischen
 Bewegung zu vertreten. Den Schwächen und Halbheiten der
verschiedenen Richtungen der Arbeiterbewegung gegenüber waren und
blieben sie die konsequentesten Verkünder und Verfechter der proletarischen
 Revolution, — obwohl die Epoche der proletarischen Revo-Iution
 sie nicht erlebt haben.

1) Internationale Presse-Korrespondenz, Berlin, Jg. 11, Nr. 62 vom 26. Juni 1931,
S. 1409— 1413.
            
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