Full text : Der Briefwechsel zwischen Marx und Engels 1868-1883 / [hrsg. von D. Rjazanov] (Abt. 3, Briefwechsel, Bd. 4)

(1102) 1868 Febr. 2

19

Liebknechts Blättchen mißfällt mir imme höchschte Grad.
Nichts als versteckter süddeutscher Föderalismus. Der Artikel
über die schweizerische und preußische Militärgeschichte ist nach
Grün (K.) in den Vereinigten Staaten von Europa verarbeitet,
5 fast jedes Wort unrichtig. Dabei steht gar nichts in dem Blättchen,
und während er mit hannoverschen Partikularisten und süddeutschen
 Knoten ganz dick ist, greift er die Berliner Zukunftsleute
an, die doch weiß der Henker mindestens ebenso gut sind wie dies
Gesindel. Ich habe übrigens nur drei Nummern erhalten.
Wie wenig die Preußen dem Landfrieden in den neuen Provinzen
 trauen, geht aus der neuen Dislokation und Organisation der
Armee hervor. Z. B. 3 hannoversche Infanterie- und 2 Kavallerieregimenter
 stehen in Westfalen resp. Wesel, während in Hannover
nur 2 hannöversche Infanterie- und 3 Kavallerieregimenter, aber
5 außerdem in Westfalen 4 Infanterie- und 2 Kavallerieregimenter
stehn. In Schleswig-Holstein stehn zwar die einheimischen Regimenter
 bis auf eins, aber daneben 2 Infanterie- und 2 Kavallerieregimenter
 aus den alten Provinzen. In Hessen stehn zwar nominell
 3 hessische Regimenter Infanterie, aber davon besteht das 82.
u (2. hessisches) aus Westfalen! Dabei sind die Nassauer nach Hessen,
 die Hessen nach Nassau und Teile beider mit altpreußischen
Regimentern nach Mainz gesteckt. Frankfurt endlich wird durch
Fomersche Infanterie und rheinische Kavallerie in Ordnung gealten.

Der große Borchardt scheint sich dem Ziele seiner Laufbahn
zu nähern. Du weißt, daß er schon seit Jahren seine priesterliche
Neigung von der schönen Frau Steinthal auf die schönere Frau
Schwabe verlegt hat und diese alljährlich wegen ihrer schwachen
Gesundheit nach Deutschland ins Bad brachte und ebenso wieder
so abholte, während der Gatte aus Gesundheitsrücksichten für die
Frau zu Hause bleiben mußte, So nahm B[orchardt] sie selbst mit,
wie Schwl[abe] mir und Knowles eines Tages erzählte, „nach
Königsberg zur Krönung‘ —, worauf ich natürlich fragte: „wessen
 Krönung?“ Obwohl ich den gehörnten Esel eine volle halbe
Stunde lang wegen der Krönung verhöhnte, und der dicke Knowles
 laut auflachte, so merkte das Vieh doch nichts. Nun aber, nachdem
 der priesterliche Arzt den Gatten jahrelang von der kranken
Frau getrennt gehalten, stellt sich auf einmal heraus, daß die
kranke Frau schwanger ist und gegen April ihrer Niederkunfit
 entgegensieht. Dazu muß der Hohenpriester sonderbarer Weise
irgend eine Unvorsichtigkeit oder Unklugheit sich haben zu Schulden
 kommen lassen, genug, dem gehörnten Esel geht plötzlich ein
Licht auf, er gibt sein Haus hier auf und zieht nach Berlin, verkauft
 seine hunters, obwohl er noch die ganze Jagdsaison hier ist,
%# resigniert seine Klubmitgliedschaft und ist mit dem Hohenprie-9


3

7 DELLA —
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.