Full text: Die deutsche Kali-Industrie 1930

bedeutende Steigerung der Arbeiterleistung, und parallel hierzu verschob sich in 
schnellerem Tempo als früher der Interessenschwerpunkt von der Kalisalz- 
förderung zur chemischen Verarbeitung, zur vermehrten Verwertung der so- 
genannten Neben- und Abfallprodukte, zur Aufnahme von Mischdüngerherstellung. 
Durch diese Aktivität, durch einige diese Maßnahmen fördernde staatliche Ein- 
griffe, durch die Schaffung einer vorteilhafteren Syndikatsorganisation, ferner 
durch feste Abmachungen mit der französischen Kaliindustrie ist es dem deutschen 
Kalikapital gelungen, nicht nur die führende Stellung in der Weltkaliwirtschaft 
unbedingt zu behaupten, sondern auch allmählich die Rentabilitätder An- 
lagen wieder günstig zu gestalten. 
Der Zusammenschlußprozeß wird sich sowohl in Form noch weiterer Konzern- 
entwicklung als auch in Form gemeinschaftlicher Organisationen der gesamten 
deutschen Kaliindustrie auch weiterhin fortsetzen. Die Erwerbung von Quoten 
einzelner Gewerkschaften zu Kampfpreisen und das Nebeneinander so zahlreicher 
Glieder der großen Konzerne deuten darauf hin, daß noch manche wünschenswerte 
weitere Vereinheitlichung der industriellen Struktur bevorsteht. 
Die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Kaliindustrie sei durch einige 
Zahlen veranschaulicht. Der Gesamtumsatz des Kalisyndikats hat in den fünf 
Jahren von 1925 bis 1929 die Summe von 900 Mill. RM überstiegen. Der Wert der 
in diesem Zeitraum erzielten Ausfuhr von Kalisalzen, schwefelsaurem Kali und 
Chlorkali belief sich auf mehr als eine halbe Milliarde RM und zeigt, wie die 
folgende Zahlentafel veranschaulicht, steizende Tendenz: 
Kaliausfuhr aus Deutsch- 
land in MilL RM. 
1925 , 
1926 . 
1927 . . 
1928 , 
(929 
. ' Schwefels. Kali, 
Kalisalze Chlorkali usw. 
49 
45 
55 
68 
Bm 
43 
46 
50 
60 
89 
Zusammen 
92 
91 
105 
123 
129 
Angesichts dieser Tatsachen erscheint der Gesamtwert der Investierungen in 
der Kaliindustrie, der auf 700 Mill. RM — ohne Berücksichtigung der übernormal 
hohen Quoten-Kampfpreise — geschätzt werden kann, verhältnismäßig klein, ebenso 
die Zahl der beschäftigten Arbeiter, die heute rund 20000 beträgt und damit nur 
etwa ein Tausendstel der deutschen Gesamtziffer ausmacht. 
Diedeutsche Kaliproduktionist gegenwärtig etwa doppelt 
sohoch wie 1910. Sie erreichte 1928, in Reinkali ausgedrückt, 1427 000 to und 
1929 1480000 to, eine Menge, die etwa dreimal so groß ist wie die entsprechende 
Ziffer Frankreichs. Die Tatsache der verhältnismäßig weitgehenden Unabhängig- 
keit der Kaliwirtschaft von Konjunkturschwankungen erfährt durch die folgenden 
Ziffern einen interessanten Beler: 
Produktion von Reinkali 
Januar/Mai 1928 
Januar/Mai 1929 
fanuar/Mai 1930 
591 000 to 
506 000 to 
542 000 1a
	        
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