Full text: Russlands Bankerott

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die Getreideausfuhr künstlich gefördert. Allein 
auch diese Maßnahmen reichten nicht aus. Seit 
langem schon schaffte man das notwendige Gold 
nur dadurch ins Land, daß man immer aufs 
neue bei den Nachbarn borgte. Und zu alle 
dem kam noch, daß man riesige Bahnbauten 
aufführen mußte. Nicht etwa, um Provinz mit 
Provinz rationell zu verbinden, damit in Zu 
kunft nicht mehr an einer Stelle Mangel und 
in der Nachbarschaft Ueberfluß an Korn herrsche. 
Nein, man baute nach strategischen Gesichts 
punkten. Diese Militärlinien sollten dem 
Kamps um die wirtschaftliche Vorherrschaft 
Rußlands in Asien dienen. Diese Bahnen ver 
schlangen ein enormes Geld zum Bau, und sie 
waren kaum in Betrieb gesetzt, da sank der 
bisher recht ansehnliche Ertrag, den Rußland 
aus den Bahnen zog. 
Seit Peter v. Struve, der russische Patriot, 
jenes denkwürdige geheime Aktenstück veröffent 
lichte, das das Protokoll der Plenarsitzung des 
russischen Reichsrats vom 12. Januar 1903 
enthält, weiß man, daß auch Witte selbst vor 
seinem Sturz bereits sich vollkommen über den 
Mißerfolg seiner Bestrebungen klar war. Das 
hielt ihn aber nicht ab, die offiziellen Berichte 
anzuschminken. Denn was half seine Einsicht. 
Davon, daß die ausländischen Banken weiter 
borgten, hing alles ab. Aber sie konnten nur 
neues Geld geben, wenn ihre heimatlichen 
Kapitalisten auch fernerhin in dem Wahn er 
halten wurden, daß russische Papiere erstklassige 
Anlagewerte sind. 
Und Herr Witte hatte Glück. Frankreich 
borgte und Deutschland auch. Er durfte viel 
leicht hoffen, daß mit der Zeit die Entwickelung 
das einholen würde, was er ihr vorausgeeilt 
war. Aber die erste Voraussetzung dazu waren 
Friedenszeiten. Die Ruhe durfte nicht durch 
einen Windhauch, geschweige denn durch einen 
Kanonenschuß gestört werden. Deshalb ward 
der Zar zum Friedensapostel. Man darf wohl 
heute als sicher annehmen, daß Herr Witte der
	        
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