HNO
gemäßen Berufsausbildung führen, bewegt heute in erster Linie
die Gemüter. Die andere Seite des Problems, nämlich die Frage,
ob ein zahlenmäßig genügender Nachwuchs vorhanden ist, ist dem-
gegenüber etwas zurückgetreten, wird aber voraussichtlich in
den nächsten Jahren in den Vordergrund rücken. Wie auf so
vielen Gebieten unseres wirtschaftlichen und sozialen Lebens,
so stehen wir auch in der Frage der Berufsausbildung in einer
Uebergangszeit. Die altüberkommene Methode der Handwerks-
Jehre, bei der die Sorge um das Können der kommenden Generation
den Handwerksmeistern und den Innungen, also fast ausschließlich
den Inhabern von Kleinbetrieben, vorbehalten bleibt, hat aus
den verschiedensten Lagern Gegner auf den Plan gerufen. Von
gewerkschaftlicher Seite ist in Uebereinstimmung mit den Forde-
rungen der Industrie, die häufig einen im Kleinbetrieb ausgebildeten
Lehrling an den modernen Maschinen und Einrichtungen eines Groß-
betriebes nicht verwenden kann und daher oft erst neu ausbilden
muß, eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen, die auf eine
Art Monopol der Handwerksmeister hinausliefen, angestrebt worden.
Die Gewerkschaften haben sich dabei auch der sozialen Stellung der
Lehrlinge angenommen und haben ständig um eine tarifliche Rege-
lung der Lehrlingsverhältnisse gekämpft. Alle diese Dinge sind noch
im Fluß; das neue Berufsausbildungsgesetz ist ein Anfang, der den
Beweis liefert, daß der Versuch gemacht wird, die rechtliche Rege-
lung den tatsächlichen Verhältnissen und den neuzeitlichen Be-
dürfnissen anzupassen. Für das Baugewerbe, das noch zu einem
verhältnismäßig großen Teil handwerklich organisiert ist, spielen
diese Fragen vielleicht noch nicht die gleiche Rolle wie zum Beispiel
in der Metallindustrie, in der vielfach die Großbetriebe vorherrschen
und trotzdem die Lehrlingsausbildung noch zum größten Teil in den
Händen des Handwerks liegt. Unter den Gesichtspunkten der Tarif-
vertragspolitik und der Lohnpolitik ist das Nachwuchsproblem jedoch
auch für das Baugewerbe von größter Bedeutung.
Die Ergebnisse der amtlichen Berufs- und Betriebszählung bieten
zum ersten Male seit langer Zeit einen umfassenden Ueberblick über
den Stand der Nachwuchsfrage; denn alles von den beteiligten
Organisationen in oft recht mühevoller Arbeit zusammengetragene
Material ist immer zur Unvollständigkeit verurteilt, da nie alle
Betriebe, vor allen Dingen nie alle kleineren und kleinsten Betriebe,
erfaßt werden können. Die Zahl der Lehrlinge und ihre Verteilung