Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

5.  Die  Rheinseeschiffahrt.

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5.  Die  Rheinseeschiffahrt.
Von  Alexander  Wirminghaus.
Wirminghaus,  Das  Verkehrswesen  im  Gebiete  der  Stadt  Köln.  Köln,  Druck  von
M.  Dumont  Schauberg,  1903.  S.  19—22.
Wirminghaus,  Der  Rhein  und  die  Schiffahrtsabgaben.  In:  Jahrbücher  für
Nationalökonomie  und  Statistik.  Herausgegeben  von  Conrad  in  Verbindung  mit  Loening,
Lexis,  Wäntig.  3.  Folge.  34.  Bd.  Jena,  Gustav  Fischer,  1907.  S-  308—312.
Unter  Rheinseeschiffahrt  versteht  man  den  direkten  Verkehr  zwischen  den
Rheinhäfen  des  Binnenlandes  einerseits  und  verschiedenen  Seehäfen,  hauptsächlich
der  Nord-  und  Ostsee,  andererseits,  bei  dem  eine  Umladung  der  Güter  in  den  Seehäfen ­
  der  Rheinmündung  vermieden  wird.  Köln  bildet  den  Endpunkt  dieses  Rheinseeverkehrs, ­
  da  Fahrten  oberhalb  Kölns  wegen  der  für  die  Seedampfer  ungenügenden
Tiefenverhältnisse  des  Rheinbettes  nicht  gemacht  werden  können;  nur  einige  kleine
Segelschiffe  dehnen  ihre  Reise  bis  oberhalb  Kölns,  zum  Teil  bis  Oberlahnstein,  aus.
Es  bedeutete  keine  eigentliche  Neuerung,  sondern  die  Wiederaufnahme  alter  Traditionen, ­
  als  im  Jahre  1885  die  erste  regelmäßige  Seefahrt  von  Köln  nach  London  eingerichtet ­
  wurde.  Denn  schon  während  des  ganzen  Mittelalters  war  der  direkte  Seeverkehr ­
  Kölns,  insbesondere  mit  England,  ein  sehr  reger  gewesen.  Seit  dem  14.
Jahrhundert  ging  er  mehr  und  mehr  zurück,  so  daß  schließlich  selbst  die  Erinnerung  an
diese  Seefahrten  aus  dem  Bewußtsein  der  Kölner  Bürger  entschwand.  Erst  im  19.
Jahrhundert  regte  sich  wieder  das  Interesse  für  überseeische  Unternehmungen  dieser
Art.  Zuerst  wurden  im  Jahre  1829,  sodann  1837  aus  Betreiben  Fritz  Harkorts
Versuche  gemacht,  mit  Segelschiffen  eine  regelmäßige  Verbindung  zwischen  den
niederrheinischen  Häfen  und  den  Häfen  der  Nordsee  herzustellen,  die  jedoch  ebensowenig
dauernden  Erfolg  hatten  wie  der  im  Jahre  1844  von  einer  kölnischen  Gesellschaft  mit
Dampfern  unternommene  Versuch.  Seitdem  ruhte  diese  Frage,  bis  im  Jahre  1885  die
„Rhein-  und  Seeschisfahrtsgesellschaft"  mit  zwei  eigens  erbauten  Seedampfern  eine
direkte  Verbindung  von  Köln  nach  London  eröffnete.  Inzwischen  wurden  diese
Fahrten  auch  auf  andere  Häsen  der  Nord-  und  Ostsee  ausgedehnt,  eine  Reihe  anderer
Gesellschaften,  vor  allem  die  Dampfschiffahrtsgesellschaft  „Neptun"  in  Bremen,  folgte
dem  gegebenen  Beispiele,  die  Zahl  der  Dampfer  wurde  eine  immer  größere,  so  daß
gegenwärtig  ein  lebhafter  Rheinseeverkehr  zwischen  Köln  und  den  niederrheinischen
Häfen  einerseits  und  London,  Bremen.  Hamburg,  Altona,  Stettin,  Danzig,  Königsberg, ­
  Kopenhagen,  Riga,  Kiel,  Lübeck,  Rostock,  Aarhus,  Elbing  und  einigen  sonstigen
kleineren  Häfen  andererseits  besteht.  Dieser  regelmäßige  Verkehr  wird  von  besonderen
Rheinseedampfern  (1911:  58  mit  insgesamt  53  127  t  Tragfähigkeit)  vermittelt,  außerdem ­
  verkehren  zahlreiche  Schleppkähne  und  Seesegelschisfe  (1911:  79).  Während  die
Rheinseedampfer  bis  zum  Jahre  1908  ausschließlich  deutschen  Reedereien  angehörten,
trat  seitdem  eine  schwedische  und  eine  niederländische  Firma  mit  einigen  Dampfern
hinzu.  An  dem  Seeschleppverkehr  sind  zwei  Hamburger  Reedereien,  darunter  die
Hamburg  -  Amerikanische  Paketfahrt  -  Aktien  -  Gesellschaft,  an  dem  Seesegelverkehr
namentlich  auch  englische  Schiffe  beteiligt.  Der  Umfang  des  Rheinseeverkehrs  Kölns
hat  sich  im  Laufe  der  Zeit  in  stetig  steigender  Richtung  entwickelt.  Er  begann  1885
mit  einer  Gesamtmenge  von  9153  t,  stieg  im  Durchschnitt  der  Jahre  1886/90  auf
26  917  t,  1891/95  auf  52  966  t,  1896/1900  auf  91172  t,  1901/05  auf  104  3211,1906/10
auf  124  782  t,  so  daß  der  Rheinseeverkehr  etwa  den  zehnten  Teil  des  gesamten  Kölner
Hafenverkehrs  ausmacht.  Gleich  günstig  entwickelte  sich  der  Rheinseeverkehr  der
übrigen  niederrheinischen  Häfen.  Der  Gesamtverkehr  betrug  in  allen  Häfen  im
Jahre  1910  452  257  t,  ging  allerdings  im  Jahre  1911  infolge  des  besonders  ungünstigen
Wasserstandes  des  Rheines  auf  304  990  t  zurück.  Für  die  Abfuhr  zur  See  kommen
            
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