Luftfahrt in Wirtschaft und Politik, 397
Ausfuhr bauen; und noch mehr: über jenes Verbot im Versailler Vertrag
hinaus ist unser friedlicher Luftfahrzeugbau durch die ‚,‚9 Regeln” be-
schränkt, durch Begriffsbestimmungen, die jedes Luftfahr-
zeug oberhalb bestimmter Geschwindigkeit, Steigfähigkeit, Ladung und
Betriebsdauer, auch wenn es rein für Handelszwecke gebaut und an
sich nur für diese geeignet ist, als militärisch erklären und damit
untersagen,
Daß unser Luftfahrzeugbau trotzdem Leistungen wie das
Amerika-Luftschiff L.Z.126, wie die neuen Groß-Kabinen-
Verkehrsflugzeuge von Dornier und Junkers hervorgebracht hat,
daß wirohneLuftmachtdochLuftgeltung besitzen, beruht
auf den Leistungen unserer Ingenieure, Kaufleute und Flieger, auf einer
zielbewußten Luftpolitik in einmütigem Zusammenarbeiten aller
Beteiligten, endlich auf unserer geographischen Lage, die uns einst die
Einkreisung brachte, die jetzt unsere wirtschaftliche Rettung werden
wird, weil sie uns zum Durchgangsflughafen Europas be-
stimmt; denn wegen seiner Bodengestalt und seines Klimas ist Deutsch-
land für einen durchgehenden Luftverkehr bestens geeignet.
Daß die außenpolitischen Hemmungen deshalb nicht bloß unsere
Luftfahrt schädigen, sondern auch die zum Durchflug bereiten Nach-
barstaaten, daß sie den deutschen Luftfahrzeugbauer zwingen, mit dem
Bau seiner Schöpfungen und dem Betrieb seiner Fluglinien ins Ausland
zu wandern und denen, die uns knebeln, mit seinem lästigen Wettbe-
werb näher und um so erfolgreicher auf den Leib zu rücken, wird sie
über kurz oder lang doch nötigen, uns zur Lufthoheit, die wir
wahrten, auch die Luft freiheit. die wir entbehren, wiederzugeben.
Hat die Luftfahrt außenpolitisch als Waffe — in andern
Ländern — und als wirtschaftlicher Aktivposten — vor allem in unserer
Zukunftsbilanz — Bedeutung, ist sie bei uns durch äußere Ein-
wirkungen schwer bedrängt, so nimmt sie innenpolitisch —
wenigstens in Deutschland — eine Sonderstellung ein: während sonst
alles parteipolitisch betrachtet und behandelt wird, genießt die Luflft-
fahrt, abgesehen von gelegentlichen Entgleisungen der Extreme,
die gemeinsame Gunst aller Parteien; vielleicht wird auch sie zum
Zankapfel, wenn man ihre Bedeutung richtig erkannt hat; heute jeden-
falls begegnet ihr die ganze Presse mit gleicher Hochachtung und
— das hat sich freilich in der letzten Zeit gebessert! — mit der
gleichen Verständnislosigkeit: Unfälle bei Kunstflügen und im Aus-
lande, die mit der Sicherheit unseres Flugverkehrs gar nichts zu tun
haben, werden von allen Zeitungen gleich verkehrt aufgebauscht; und
wenn wir mit unsern Vertragsgegnern über die Befreiung der deutschen
Luftfahrt verhandeln, lassen sich alle die gleichen falschen Meldungen