könnten wir nennen; noch besser aber etwa auf das glänzende Bild
hinweisen, das sich bot, als die deutschen Städte zum ersten Male im
Jahre 1908 auf ihrer Städteausstellung in Dresden es unternommen
hatten, auf engen Raum zusammengedrängt zu zeigen, welch großer
deistungen sie fähig seien.
Gewiß — zu dieser Höhe sind die Städte nicht lediglich vermöge
hrer Selbstverwaltung emporgeklommen. Eine Reihe anderer Gründe
hat dazu mitgewirkt und ihren Aufstieg veranlaßt. Vor allem war es
die auch aus der Stein-Hardenbergschen Zeit stammende Freiheit im
Wirtschaftsleben, die jetzt in kaum geahnter Weise neue Kräfte ent—
faltete. Aber ferner mußte noch die preußische Großtat der Gründung
des Zollvereins hinzukommen, durch die erst dem Handel die Bahn
freigemacht wurde. Vergegenwärtigen wir uns den Stand der Dinge
am Beginn des vergangenen Jahrhunderts auf Grund einer Schilderung
Friedrich Lists. Sie ist ein Einzelton aus einem Notruf, den im
Jahre 1819 die in Frankfurt a. M. zur Ostermesse versammelten deutschen
Kaufleute an die deutsche Bundesversammlung gehen ließen und deren
Wortführer der für Deutschlands nationale Größe glühende Mann war:
„88 Zoll- und Mautlinien in Deutschland lähmen den Verkehr im Innern
und bringen ungefähr dieselbe Wirkung hervor, wie wenn jedes Glied des mensch—
ichen Körpers unterbunden wird, damit das Blut ja nicht in ein anderes über—
fließe. Um von Hamburg nach sterreich, von Berlin in die Schweiz zu handeln,
hat man zehn Staaten zu durchschneiden, zehn Zoll- und Mautordnungen zu
tudieren, zehnmal Durchgangszoll zu bezahlen. Wer aber das Unglück hat, auf
einer Grenze zu wohnen, wo drei oder vier Staaten zusammenstoßen, der verlebt
ein ganzes Leben mitten unter feindlich gesinnten Zöllnern und Mautnern; der
hat kein Vaterland. Trostlos ist dieser Zustand für Männer, welche wirken und
handeln möchten; mit neidischen Blicken sehen sie hinüber über den Rhein, wo ein
großes Volk vom Kanal bis an das Mittelländische Meer, vom Rhein bis an die
Pyrenäen, von der Grenze Hollands bis Italien auf freien Flüssen und offenen
Landstraßen Handel treibt, ohne einem Mautner zu begegnen.“
Jetzt, als am Neujahrstage 18385 die Zollschranken fielen und hiermit
der erste Grundstein zu unserem Deutschen Reich gelegt ward, da erst
konnte deutscher Handel sich entfalten, da erst konnte das Gewerbe völlig
seine alten Fesseln abwerfen, da erst konnten die deutschen Städte wieder
zu festen Mittelpunkten in dem neu geeinten Wirtschaftsgebiete werden,
wie sie es einst in den Tagen des Mittelalters gewesen waren. Doch
nicht lange stehen sie isoliert da, bald schlingen sich um sie alle fester und
fester zahlreiche Bande — nicht zu fesselnder Haft, sondern um neues Leben
zu wecken und von einem Orte zum anderen zu leiten: die Eisenbahnen.
Und bald weiten sich die stillen Handwerksstätten zu sausenden, brausenden
Maschinenfabriken: das Industriezeitalter beginnt; die Kapitalwirtschaft der
Städte löst endgültig die Naturalwirtschaft des flachen Landes ab. Die
enge Stadtwirtschaft ist zur Volkswirtschaft, bald zur Weltwirtschaft
geworden. Und doch eine Wirtschaft, auf die Städte sich gründend, ift