Full text: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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Einigkeit, 
ein festes Band, 
sie hält zusammen 
Leut' und Land. 
Wer redet, 
was ihn gelüstet, 
muß hören, 
was ihn entrüstet. 
Allen Menschen 
recht getan 
ist eine Kunst, 
die niemand kann. (Rathaus in Halle a. S.) 
Neben dem Sitzungssaal lagen wohl einzelne Zimmer für die 
Kommissionen, die geschickten Freunde unserer Herren vom Rat; weitere 
Räume für die Stadtschreiberei, die Rentkammern, die Spezialverwaltungen 
schlossen fich an. Die unteren Räume umfaßten nicht selten das städtische 
Arsenal. 
In dieser Umgebung spielt sich das Tagewerk des Bürgers ab. 
Der Morgen wird den Bürgern durch Geläut verkündet und die 
Blocken der zahlreichen Gotteshäuser tönen fast den ganzen Tag hindurch, 
bald mahnt die eine, bald die andere zum Gebet und Kirchgang. Ihr 
Ton ist dem Bürger herzlich lieb, er umklingt ihm das ganze Leben, 
wie er seinen Vorfahren getan. 
Die Stadt hat ihren Markttag; am Rathause ist die rote Fahne 
ausgesteckt, solange sie hängt, haben die fremden Verkäufer das Markt— 
recht. Zu allen Toren ziehen die Landleute der Umgegend herein, auch 
die Landbäcker und Metzger, welche heute an besonderen Plätzen feilhalten 
dürfen. Auf Ständen, Tischen, in Krambuden und den Stadtbänken 
sind die Waren ausgelegt, das kleine Handwerk der Stadt zeigt heut im 
Gewühl der Fremden und Einheimischen. was der Fleiß des Bürgers in 
der Woche geschaffen. 
Das lebhafte Bild kaufmännischen Straßenverkehrs, welches sich aus 
dieser Abstufung der Verkaufslokale ergibt, wird noch wesentlich greller 
Jefärbt durch die Sitte des Mittelalters, alle Waren zum Verkaufe aus— 
zurufen. Zwar verboten einzelne Zünfte ihren Mitgliedern, durch all⸗ 
zuhäufiges Rufen weniger stimmkräftigen Genossen Konkurrenz zu machen. 
Hundert Geräte und Erfindungen, die wir noch heut gebrauchen, 
waren auf dem Stadtmarkt des 14. Jahrhunderts feil. Und wer damals 
dom Lande kam, der staunte über die Pracht und Fülle begehrenswerter 
Dinge und fühlte tief den Zauber des Geldes. Aber das Wertvollste 
war auch damals in dunkeln Stuben und Gewölben der großen Kauf— 
herrn in eisernen Truhen und hinter festem Verschluß aufbewahrt. Und 
wer den Reichtum und Wert der Stadt für den friedlichen Verkehr der 
Nationen ermessen wollte, der mußte die Waren da suchen, wo sie un— 
scheinbar in Hülle und Kasten lagen, denn Schaufenster gab es nicht. 
So knarren die Wagen und handeln die Menschen, bis die Markt—⸗ 
fahne am Rathause abgenommen wird oder ein Glöcklein den Markt
	        
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