Kapitel III. Die Pessimisten.
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sinkenden Gewinnes zuerst von einem großen Vertreter des Kapita
lismus entdeckt worden ist. Wenn ihn etwas beruhigte, so war es
die Betrachtung der gegenwirkenden Kräfte, die das Sinken des
Profits zur gleichen Zeit wie das Steigen der Rente in Schranken
halten konnten: die wirksamste dieser Kräfte erblickte er in der
Freiheit des Außenhandels (siehe den folg. § 3).
Im großen und ganzen treten jetzt die allgemeinen Grundzüge
der Einkommensverteilung mit eindrucksvoller Einfachheit hervor,
viel klarer, als in dem berühmten „Tableau Economique“ QuesnaVs
und der Wirklichkeit viel näher, — wenigstens für die Zustände,
wie sie zur Zeit Ricaedo’s in England bestanden, denn heute fügen
sie sich nicht mehr den Tatsachen ein. Man könnte sie in einem
Diagramm dreier Linien veranschaulichen.
Die obere steigende Linie würde den Anteil des Bodens, die
Bodenrente, darstellen. Die Rente des Grundbesitzes wächst in zwei
facher Weise: in natura und in Geld, denn im Maßstab, wie die Be
völkerung oder die Bedürfnisse steigen, erhält er eine immer größere
Menge Getreide, das immer teuerer wird. Jedoch kann dieses Wachs
tum nicht endlos sich fortsetzen, denn an einem bestimmten Punkt
angelangt, verhindert die Erhöhung des Getreidepreises den weiteren
Bevölkerungszuwachs und folglich zur gleichen Zeit auch die weitere
Steigerung der Rente, da es dann nicht mehr nötig sein würde, neuen
Boden in Bewirtschaftung zu nehmen.
In der Mitte würde eine horizontale Linie den Anteil der
Arbeit, den Lohn, darstellen. Der Reallohn des Arbeiters bleibt
stationär, denn er erhält stets nur die zu seinem Lebensunterhalt
nötige Getreidemenge, weder mehr noch weniger. Da das Getreide
ständig im Preise steigt, so wird freilich sein Nominallohn (in Geld
ausgedrückt) höher, was aber ohne wirklichen Vorteil für ihn ist.
Unten stellt eine absteigende Linie den Anteil des Kapitals,
den Profit vor. Der Anteil des Kapitalisten sinkt 1 ) aus dem ein
!) Um diese Verminderung des Anteils des Kapitals zu bezeichnen, wendet
Eioakdo häufig den Ausdruck „fallender Profitsatz“ an. Das ist jedoch nicht gleich
bedeutend, denn der Profitsatz drückt nur ein gewisses Verhältnis zwischen dem Betrag
des Einkommens und dem Betrag des Kapitals aus, z. B. 5 °/ 0 , — keineswegs aber
einen Vergleich zwischen dem wirklich vom Kapital erhaltenen Teil und dem, den
die Arbeit am Gesamtprodukt hat. Man kann natürlich zugeben, daß bei einer Ver
ringerung des Profitsatzes, und wenn alles andere gleich bleibt, der Anteil
des Kapital im Verhältnis zur Arbeit geringer wird; es ist aber klar, daß bei einer
Verdoppelung des in einem Unternehmen angelegten Kapitals, oder bei einer Ver
ringerung der Produktion um die Hälfte, das Kapital doch einen beträchtlicheren Teil
erhebt und deshalb der Arbeit einen geringeren läßt, auch wenn der Profitsatz von
5 °/ 0 auf 3 °/ 0 erniedrigt wird. Die gleiche Frage wird uns auch bei Bastiat entgegen
treten, der denselben Fehler gemacht hat.