Full text: Theoretische Sozialökonomie

8 30. Die Preisbildung der Bodennutzung. 251 
genommen ist, eine stärkere Begrenzung der Nachfrage notwendig, weil 
der Boden knapp ist. Diese Begrenzung kann in der Tauschwirtschaft 
nur dadurch durchgeführt werden, daß auf die Bodennutzung ein ein- 
heitlicher Preis gesetzt wird, hinreichend hoch, um den Produktenpreis 
genügend zu erhöhen und somit die Nachfrage nach Weizen in Über- 
einstimmung mit der auf dem gegebenen Boden und mit der gegebenen 
Produktionsmethode erzeugbaren Produktenmenge zu bringen. Es ent- 
steht also eine Bodenrente, die einerseits durch die Beschaffenheit der 
Nachfrage, anderseits durch die gegebene Bodenmenge bestimmt ist 
und die eine reine Knappheitsrente darstellt. Diese Bodenrente zeigt 
uns die zentrale Natur jeder Bodenrente. 
In Wirklichkeit ist die Knappheit des Bodens niemals so absolut, 
wie hier vorausgesetzt wird. Sie kann gemildert werden einerseits durch 
Anwendung von mehr Kapital und Arbeit auf dem gegebenen Boden, 
was einer Substitution von Kapital und Arbeit für Bodennutzung 
gleichkommt und somit eine relative Verminderung der Nachfrage nach 
Bodennutzung herbeiführt, anderseits durch Urbarmachung neuen 
Bodens, also durch eine Vermehrung der bewirtschafteten Bodenmenge. 
Die Bedingungen einer solchen Milderung der Knappheit des Bodens, 
also die Bedingungen einer Steigerung der Ernte durch Anwendung 
von mehr Kapital und Arbeit auf dem gegebenen Boden oder durch 
Ausdehnung der kultivierten Bodenfläche stellen nebst der Knappheit 
selbst als Hauptbestimmungsgrund des Preises der Bodennutzung Sup- 
plementäre Bestimmungsgründe dieses Preises dar. 
Denkt man sich, daß eine wachsende Bevölkerung eine steigende 
Nachfrage nach Weizen verursacht, so muß im allgemeinen der Preis der 
Bodennutzung gesteigert werden. Die entscheidende Frage ist dann: 
welche Wirkungen hat eine solche Preissteigerung? Jede gedachte 
Steigerung des Preises der Bodennutzung erweckt eine Reaktion in 
einer der folgenden drei Formen: 
1. Eine Verminderung der Nachfrage nach dem Produkt; 
2. eine Substitution von mehr Kapital und Arbeit für Bodennutzung; 
3. eine Ausdehnung der kultivierten Bodenfläche., / 
Die beiden ersten dieser Wirkungen stellen eine Verminderung der 
Nachfrage nach Bodennutzung dar, während die dritte eine Vermehrung 
des Angebots derselben bedeutet. Alle drei sind also Gegenwirkungen 
gegen die Preissteigerung und wirken zusammen darauf hin das Gleich- 
gewicht aufrechtzuerhalten. Die nähere Analyse dieser Gegenwirkungen 
bildet die spezielle Theorie der Preisbildung der Bodennutzung. Wie 
man findet, ist das allgemeine Schema dieser Theorie demjenigen der 
Zinstheorie vollständig ähnlich. 
In bezug auf die erste Gegenwirkung ist zu bemerken, daß sie 
desto kräftiger ist, je elastischer die Nachfrage nach dem Produkt ist, 
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