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gehandelt hat. Auch in ihr sind herrliche Worte enthalten. Einiges
daraus mag hier Platz finden:
J. Allgemeine Gesichtspunkte.
Die Begebenheiten, welche seit mehreren Jahren unser Staunen erregen und
unserem kurzsichtigen Auge als fürchterliche Übel erscheinen, hängen mit dem großen
Weltplan einer weisen Vorsehung zusammen. Nur darin können wir Beruhigung
finden. Wenngleich unserem Blick nicht vergönnt ist, tief in diesen Plan einzu—
dringen, so läßt sich doch der Zweck dabei vermuten: Das Schwache, Kraftlose,
Veraltete überall zu zerstören und nach dem Gange, den die Natur auch im
Physischen nimmt, neue Kräfte zu weiteren Fortschritten zur Vollkommenheit zu
beleben.
Der Wahn, daß man der Revbolution am sichersten durch Festhalten am
Alten und durch strenge Verfolgung der durch solche geltend gemachten Grundsätze
entgegen streben könne, hat besonders dazu beigetragen, die Revolution zu befördern
und derselben eine stets wachsende Ausdehnung zu geben. Die Gewalt dieser
Grundsätze ist so groß, sie sind so allgemein anerkannt und verbreitet, daß der
Staat, der sie nicht annimmt, entweder seinem Untergange oder der erzwungenen
Annahme derselben entgegensehen muß
Also eine Revolution in gutem Sinn, geradehin führend zu dem großen
Zweck der Veredelung der Menschheit, durch Weisheit der Regierung und nicht durch
gewaltsame Impulsion von innen oder von außen — das ist unser Ziel, unser
leitendes Prinzip Demokratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung; —
dieses scheint mir die angemessene Form für den gegenwärtigen Zeitgeist.
II. Auswärtige Verhältnisse.
Soviel ich sehe, sollte Preußen folgende Grundsätze befolgen: 1. Vor allen
Dingen muß es Kraft sammeln, das Innere in allen Zweigen wohl ordnen und
planmäßig in Übereinstimmung bringen, auch sich ohne Zeitverlust wieder zum
Kampf rüsten, soweit es die Mittel gestatten, besonders zu dem der Verteidigung. ..
2. Man nähre ja nicht den Wahn, neutral bleiben zu können, und hüte sich, dieses
System aufzustellen und anzukündigen. .. 8. Überhaupt zeige man Charakter.
Dieser muß dem Staat wieder aufhelfen, so wie der Mangel daran ihn gestürzt
hat. Wesentliche Schritte dazu sind geschehen. Preußen hat durch sein Betragen
im Unglück und durch treue Beharrlichkeit einen großen Teil der verlorenen Achtung
wieder erworben und sich reingewaschen von den alten politischen Sünden usw
III. Grundverfassung im Innern.
Auf einer recht zweckmäßigen Einrichtung der Grundverfassung des Innern
beruht jetzt die Hoffnung und die künftige Existenz des preußischen Staates. Hier
gilt es vor allem, harmonisch mit dem Zeitgeist und dem Weltplan der Vorsehung
zu verfahren; und wenn es auch sonst Bedenklichkeiten haben könnte, die Verfassung
zu ändern, so verschwinden sie in der gegenwärtigen Lage des Staates. Das Vor—
arteil predigt zwar immer das Alte und nur das Alte. Der stolze Stumpfsinn
und träge unwissende Selbstzufriedenheit werden es weit weg werfen, das Fehler⸗
hafte und nicht mehr Passende in der bisherigen Verfassung anzuerkennen. Sie
werden ihre Stimmen laut genug erheben. Aber man höre sie nicht.
Will man den Staat retten, ihn wieder aufblühen sehen, so säume man nicht,
die einzigen Mittel dazu zu ergreifen. Ein Phönix erstehe aus der Asche. Man
jchrecke nicht zurück vor dem ... Hauptgrundsatz: möglichst Freiheit und
Gleichheit.
1. Der Adel. Jede Stelle im Staat ohne Ausnahme sei nicht dieser oder
jener Kaste, sondern dem Verdienst und der Geschicklichkeit und Fähigkeit aus allen
Ständen ofsen. Keine Kraft werde im Emporstrebhen zum Guten gehemmt.