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Dritter Abschnif
Die Vergleichung des Heißhungers nach Mehrarbeit in de?
Donaufürstentümern mit demselben Heißhunger in englischen F#
briken bietet ein besonderes Interesse, weil die Mehrarbeit in de!
Fronarbeit eine selbständige, sinnlich wahrnehmbare Form besitzt
Gesetzt, der Arbeitstag zähle 6 Stunden notwendiger Arbeit un‘
6 Stunden Mehrarbeit. So liefert der freie Arbeiter dem Kapitalistel
wöchentlich 6 X 6 oder 36 Stunden Mehrarbeit. Es ist dasselbe, alt
arbeite er 3 Tage in der Woche für sich und 3 Tage in der Woche‘
umsonst für den Kapitalisten. Aber dies ist nicht sichtbar. Mehr
arbeit und notwendige Arbeit verschwimmen ineinander, Ich kam
daher dasselbe Verhältnis zum Beispiel auch so ausdrücken, daß de!
Arbeiter in jeder Minute 30 Sekunden für sich und 30 Sekunde
für den Kapitalisten arbeitet usw. Anders mit der Fronarbeit
Die notwendige Arbeit, die zum Beispiel der walachische Bau®
zu seiner Selbsterhaltung verrichtet, ist räumlich getrennt vo“
seiner Mehrarbeit für den Bojaren. Die eine verrichtet &
auf seinem eigenen Felde, die andere auf dem herrschaftlich®
Gut. Beide Teile der Arbeitszeit existieren daher selbständ!!
nebeneinander. In der Form der Fronarbeit ist die Mehr
arbeit genau abgeschieden von der notwendigen Arbeit. 4
dem quantitativen Verhältnis von Mehrarbeit und notwendiger A"
beit ändert diese verschiedene Erscheinungsform offenbar nicht
Drei Tage Mehrarbeit in der Woche bleiben drei Tage Arbeit, A
kein Aequivalent für den Arbeiter selbst bildet, ob sie Fronarbe?
heiße oder Lohnarbeit. Bei dem Kapitalisten jedoch erscheint d*
Heißhunger nach Mehrarbeit im Drange zu maßloser Verlängerurf
des Arbeitstages, bei dem Bojaren einfacher in unmittelbarer Jag‘
auf Frontage.*t ,
Die Fronarbeit war in den Donaufürstentümern verknüpft m
Naturalrenten und sonstigem Zubehör von Leibeigenschaft, bilde?
aber den entscheidenden Tribut an die herrschende Klasse. W'
dies der Fall, entsprang die Fronarbeit selten aus der Leibeige”
schaft, Leibeigenschaft vielmehr meist umgekehrt aus der Fr”
arbeit.*** So in den rumänischen Provinzen. Ihre ursprünglich
*4 Das Nachfolgende bezieht sich auf die Zustände der rumänischen PI”
vinzen, wie sie sich vor der Umwälzung seit dem Krimkrieg gestaltet hat!®
44a In der 3. Auflage finden wir hier folgende Note Engels’: Dies £
ebenfalls für Deutschland und speziell für das ostelbische Preußen. I
15. Jahrhundert war der deutsche Bauer fast überall ein gewissen Leistung“
in Produkt und Arbeit unterworfener, aber sonst wenigstens faktisch frei
Mann. Die deutschen Kolonisten in Brandenburg, Pommern, Schlesien Wi
Ostpreußen waren sogar rechtlich als Freie anerkannt. Der Sieg des Ad
im Bauernkrieg machte dem ein Ende. Nicht nur die besiegten süddeutscht,
Bauern wurden wieder leibeigen. Schon seit Mitte des 16. Jahrhunde?
werden die ostpreußischen, brandenburgischen, pommerschen und schl”
sischen, und bald darauf auch die schleswig-holsteinischen freien Bauern *
Leibeigenen erniedrigt, (Maurer: „Geschichte der Fronhöfe, der Bauel®
höfe und der Hofverfassung in Deutschland. Erlangen 1862/63“, Bd. IV-