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Maschinenbauanstalt ist eine besondere Abteilung für die Modelltisch-
lerei, eine besondere für die Schlosserwerkstatt, getrennt von: der
Schmiede, in einer eigenen Abteilung findet das Formen und Gießen,
in einer anderen die Montierung statt, eventuell ist eine Abteilung für
Klempnerei, Lackier- und Polsterarbeit vorhanden, während ganz davon
getrennt sich die Zeichenräume der Ingenieure befinden. Ebenso zer-
legen sich die einzelnen Arbeiten, welche auf denselben Gegenstand
verwendet werden müssen, wie bei der Stahlfederfabrikation, der Nadel-
fabrikation ete. Und auch hier wiederum pflegt eine Arbeitergruppe
eine bestimmte einseitige Arbeit auszuführen, und in dieser wiederum
jeder Arbeiter eine besondere Funktion auszuüben, z. B. bei dem Be-
dienen der Maschinen. In der Hausindustrie ist Arbeitsteilung z. B.
in der Uhrenfabrikation im Jura außerordentlich ausgebildet gewesen,
wo dieselbe in 53 verschiedene Fabrikationszweige und in über 300
Thätigkeiten zerfiel, die jede von besonderen Familien, mitunter von
besonderen Dörfern ausschließlich übernommen waren. Aehnliches ist
in der Spielwarenindustrie in Thüringen zu beobachten.
Die Differenzierung hat sich nun nicht nur in der Industrie,
sondern auch in den Wissenschaften vollzogen. Nach Gründung der
Universität Halle war längere Zeit hindurch die ganze medizinische
Fakultät durch nur zwei Ördinarien vertreten, die noch zugleich die
Naturwissenschaften zu lehren hatten, wie Zoologie, Mineralogie und
Botanik und, so weit sie vorhanden war, auch Chemie. Noch im Beginn
des 19. Jahrhunderts hatte der Vertreter der Chirurgie auch die Gynä-
kologie, die Augenheilkunde, die Zahnheilkunde und die Behandlung
der Ohren zu übernehmen, welche jetzt sämtlich ihre besonderen Ver-
treter haben. Die Fakultät wird durch 13 ordentliche Professoren
vertreten, zu denen noch eine Anzahl Extraordinarien hinzukommt,
welche noch besondere Teile der Heilkunde als Spezialisten für Magen-,
Brust-, Haut- und Kinderkrankheiten übernommen haben, die bei den
Ordinarien vereinigt sind, So ist überall derselbe Vorgang zu be-
obachten. $
Kin jeder Fortschritt führt eine Differenzierung mit sich, die Bildung der
wiederum eine Vervollkommnung und damit einen weiteren Fort- Stände u. Be-
schritt anbahnt. Dies führt weiter zur Ausbildung nicht nur der ver- "üfsklassen.
schiedenen Berufsklassen, sondern auch zur. Scheidung der Gesell
schaftsklassen, wie sie sich im Altertume und im Orient in krassester
Weise in den Kastenabteilungen, im Mittelalter in den Ständen, die
sich schroff gegenüberstanden, wie noch in der neueren Zeit in Hoch
und Niedrig, Arm und Reich, Gebildeten und Ungebildeten finden. Auf
den Streit zwischen Schmoller und Bücher, welches Moment das
primäre, welches das sekundäre, ob Begabung und Besitz als Ursache
der Arbeitsteilung, oder ob umgekehrt durch die Arbeitsteilung sich
jene Verschiedenheit in Begabung und Besitz, durch Vererbung und
Tradition herausgestellt hat, können wir hier nicht näher eingehen.
Uns scheint, daß sich beides gegenseitig bedingt und fördert, wie sich
das im Wirtschaftsleben so häufiz beobachten läßt.‘ Die höhere In-
telligenz war es unzweifelhaft, welche zunächst den Einzelnen in die
Stellung des Häuptlings brachte, und diese verschaffte ihm den doppelten
Anteil an der Beute. Die besondere Anstelligkeit und Geschicklich-
keit war es wohl, die die Klosterherren veranlaßte, einzelne Hörige
nur nach einer bestimmten Richtung zu beschäftigen und damit zu
Handwerkern auszubilden. Viel häufiger ist wohl der Fall eingetreten,