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samtinteressen der Land- und Forstwirtschaft ihres Bezirks wahrzu-
nehmen bestimmt sind. Sie sollen insbesondere bei den staatlichen
Behörden Anträge zur Förderung der Landwirtschaft stellen. Dafür
haben sie das Recht, Beiträge von den Landwirten zu erheben und er-
langen dadurch eine feste pekuniäre Fundierung, welche den Vereinen
fehlte.
In Frankreich sind solche den Handelskammern nachgebildete
landwirtschaftliche Behörden schon seit Anfang der fünfziger Jahre in
jedem Departement oder Arrondissement organisiert und haben sich
auch dort bewährt. Sie sind das Vorbild für die preussischen Or-
yanisationen gewesen, die wieder, wie es scheint, in den übrigen deut-
schen Staaten Nachbildungen finden sollen.
Kapitel V.
Die Forstwirtschaft.
Heyer, Lehrbuch der forstlichen Bodenkunde und Klimatologie. Erlangen
1862,
Otto von Hagen, fortges. von Donner, Die forstlichen Verhältnisse Preussens.
Berlin 1882.
Bernhard, Geschichte des Waldeigentums. Berlin 1884.
Jos. Albert, Lehrbuch der Forstverwaltung. München 1883.
8 27.
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wälder.
Die Forstwirtschaft tritt als Ergänzung zur Landwirtschaft bei
der Verwertung des Grund und Bodens ein. Der Betrieb ist bei ihr
ain extensiverer, denn auf dieselbe Fläche wird im Durchschnitt
weniger Arbeit und Kapital verwendet; die Natur bleibt bei ihrem
Schaffen mehr sich selbst überlassen. Der Betrieb ist in der Forst-
wirtschaft im allgemeinen nur auf grösseren Flächen rationell durchzu-
führen. Die Bewirtschaftung ist eine mehr gleichmässige und einfache,
laher auch die Oberaufsicht leichter durchzuführen, so dass die
Forstwirtschaft sich erfahrungsgemäss für Staat, Gemeinde und Kor-
porationen eignet, und daher der Forstbesitz sich bei diesen eine
grössere Bedentung bewahrt hat, als der Besitz von landwirtschaftlich
benutzter Fläche. Fast in allen Ländern ist das Forstland von erheb-
licher Ausdehnung, und somit auch die wirtschaftliche Bedeutung des-
selben. Hat man in früheren Zeiten allgemein die Wälder einge-
schränkt, um mehr Boden für die Landwirtschaft zu erlangen oder
auch in Verkennung der Bedeutung der Forsten und aus Nachlässig-
keit dieselben in extremer Weise devastiert, so hat man in den alten
Kulturländern neuerdings den Forsten eine besondere Aufmerksamkeit
gewidmet und dieselben möglichst zu konservieren gesucht, so dass
zum Beispiel in Deutschland im Laufe des 19. Jahrhunderts die Wald-
Jäche unverändert geblieben sein dürfte. Nur dass man mehr und mehr
der Forstkultur die Flächen entzog, welche in dem landwirtschaftlichen
Betriebe eine höhere Nutzung versprachen, und bisheriges Oedeland,
dann Weideflächen, Bergabhänge der Forstkultur überwiesen wurden,
Die Ausdehnung der Wälder in den verschiedenen Staaten Europas
eroiebt sich aus der folyenden Tabelle.
Forstwirt
schaft.