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Hälfte des 19. Jahrhunderts ist dann auch da, wo man die Einteilung
des Landes in drei Felder aufrecht erhalten hatte, die Brache immer
mehr zur Pflanzentragung herangezogen, ja vielfach völlig absorbiert
worden.
In dem grössten Teile von Deutschland hat die Dreifelderwirt-
schaft mehr als ein halbes Jahrtausend geherrscht. Dass der früher
erwähnte Satz von Tacitus auf die Dreifelderwirtschaft zu deuten sei,
wie man eine lange Zeit angenommen hatte, ist schon von Roscher
und Hanssen widerlegt. Aber sicher ist, dass dieselbe schon zur
Zeit Karls des Grossen bekannt war, denn dieser Herrscher bestimmte
in seinen Kapitularien ausdrücklich für die Domänen die Anwendung
der Dreifelderwirtschaft, die sich dann mehr und mehr einbürgerte.
Sie ist dann, wie bereits angedeutet, in Deutschland in dem letzten
Jahrhundert allmählich aufgegeben, ist jedoch noch heutigen Tages in
bäuerlichen Distrikten nachweisbar, wenn auch unter Beseitigung oder
doch starker Verminderung der Brache.
Das Dreifeldersystem setzt im grossen Ganzen voraus, dass
ausser dem Acker noch Wiesen und Weiden vorhanden sind, auf
welchen im Sommer das Vieh seine Nahrung finden kann, weil bei
ausgedehnter Brache und überwiegendem Getreidebau, wie dies das
Wirtschaftssystem in sich schliesst, von dem Acker nur wenig Vieh
und in unregelmässiger Weise ernährt werden kann. Wo es daher an
den nötigen Wiesen fehlt, kann das Vieh im Winter nur durch-
gehungert werden, und Albrecht Thaer berichtet, dass Ende des
18. und noch im Beginne des 19. Jahrhunderts in vielen Wirtschaften
and ganzen Gegenden Deutschlands das Vieh sich aus diesem Grunde
im dürftigsten Zustande befand und im Frühjahr oft so entkräftet
war, dass es kaum auf die Weide zu gehen imstande war. In Folge
dessen ist bei der Dreifelderwirtschaft im allgenıeinen, wo nicht er-
gänzende Wiesen vorhanılen sind, die Nutzung aus dem Viehstande
eine unvollkommene. Es überwiegt deshalb bei derselben die Getreide-
nahrung. Die finanzielle Ausbeute beruht gleichfalls in der Haupt-
sache auf dem Getreide, es gelangen ausserdem zum Verkauf haupt-
sächlich mageres Vieh, Wolle, Felle ete,
Eine weitere Eigentümlichkeit dieses Systems ist die verhältnis-
mässig kärgliche Düngung, die durch den Verwitterungsprozess in der
Brachzeit ergänzt werden muss. Zugleich findet Ersparnis an Arbeits-
<raft statt, weil nur ein Teil des Landes besäet wird.
Fruchtwechsel, 3. Der Uebergang zu einem intensiveren Betrieb findet durch
die Einführung der Fruchtwechselwirtschaft statt, die sich in
England während des 18. Jahrhunderts neben der noch zu besprechen-
den Feldgraswirtschaft ausbildete. Sie ist in Deutschland durch
Albrecht Thaer Anfang des letzten Jahrhunderts zur Kenntnis der
Landwirte gebracht und dann zuerst auf den grossen Gütern, allmählich
auch bei den Bauern, eingeführt. Sie besteht darin, dass neben dem
Getreide vor allem Hackfrüchte und Futtergewächse regelmässig; ange-
baut und in einen bestimmten Turnus zu jenem gebracht werden, Wie
es der Name besagt, wechseln die verschiedenen Früchte auf demselben
Felde in bestimmter Weise, wie es die Bodenbeschaffenheit und die
Natur der Pflanzen bedingen, um möglichst hohe Ernten zu erzielen,
Hierbei sind die physikalischen und chemischen Kigenschaften des