543] Die Erhaltung der heimischen Münze. Die Währung. 858
wir einen der wichtigsten Punkte noch nicht ins Auge gefaßt, die Währungsfrage und
Währungspolitik.
167. Die Gold-, Silber- und Doppelwährung. Das Problem
und das ältere Nebeneinandercirkulieren von Gold- und Silber—
münzen. Wir haben oben schon bemerkt, daß die Erklärung eines Geldes zum ge—
setzlichen Zahlungsmittel das Wesen der Währung ausmache. Man pflegt daher
heute die drei eben genannten Währungen zu unterscheiden und kurz und populär zu
sagen: Bei der Doppelwährung ist Gold- und Silber⸗, bei der Gold- nur Gold-, bei
der Silberwährung nur Silbermünze gesetzliches Zahlungsmittel. Das ist nun, ganz
roh betrachtet, für die Gegenwart richtig. Aber das Wesentliche ist die feinere Unter⸗
scheidung. In gewissem Sinne haben ja auch die Silberländer in der Regel Gold—
münze, alle Goldländer haben regelmäßig Silbermünze; beides aber in anderer Art
und mit anderem Recht als in den Ländern der Doppelwährung.
Suchen wir uns also die technisch⸗wirtschaftlichen Voraussetzungen und die historische
Gestaltung des Nebeneinanderbestehens von mehreren Münzarten aus verschiedenem
Metall, hauptsächlich von Gold- und Silbermünzen klar zu machen.
Wir sahen, daß ursprünglich eine Anzahl von verschiedenen Gütern als Zahl—
mittel nebeneinander fungierten; sie konnten das, so lange das Wertbewußtsein so roh
und so stabil war, daß jeder für gewöhnlich die gleiche Quantität dieser Güter zu
gleichem Werte nahm. Mit der höheren Ausbildung des Wertbewußtseins und des
Verkehrs schieden nach und nach die übrigen Güter aus der Reihe der Tausch- und
Zahlmittel aus, weil sie dazu weniger taugten als Edelmetall und Münze, hauptsächlich
weil sie weniger wertbeständig waren. Es blieben aber meist mehrere Metalle, als
Barren oder in Munzform, Eisen, Kupfer und Bronze neben Silber, Kupfer und Silber
neben Gold als regelmäßige und rechtlich anerkannte Zahlmittel übrig. Und fie konnten
es in dem Maße leichter, als der Wert aller dieser Metalle und Münzen nicht leicht
und rasch große Schwankungen zeigte, als bei wenig ausgebildetem Handelsgeist noch
rohe Gleichsetzungen lange und in weiter Verbreitung sich erhielten. Der Verkehr
bemerkte früher kleine Wertschwankungen von Kupfer zu Silber oder von Silber zu
Gold nicht so leicht; und man war nicht geneigt und nicht fähig, teilweise schon der
Transportkosten wegen, kleine Werterhöhungen des einen Metalls dadurch zu nützen,
daß man es aus dem Verkehr zog und an andere Länder, wo es höher galt, au ver⸗
kaufen trachtete.
Es ergaben sich also, je unentwickelter der Verkehr war, desto weniger Schwierig⸗
keiten aus der gleichzeitigen Anwendung mehrerer Metalle zu Münzen. Sie erschien
überdies von praktischem Gesichtspunkt aus überall bequem, ja unentbehrlich. Die
Eisen- und Kupfermünzen dienten dem kleinen Verkehr, das Silber dem größeren. Wo
Gold ursprünglich fehlte, wurde es mit der Ausbildung erheblicher interlokaler Zahlungen
wegen seiner leichten Versendbarkeit herbeigezogen. In gewissem Umfang entschied stets
das Vorkommen und die Leichtigkeit oder Schwierigkeit des handelsmäßigen Bezugs
darüber, welche Metalle zuerst, welche später an jedem Orte als Zahlmittel gewählt
wurden. Überall aber trat mit höherer wirtschaftlicher Kultur Eisen, Kupfer und Bronze
zurück, das Gold dagegen in den Vordergrund. So gewöhnte man sich fast überall
daran, zwei oder mehr Metalle zugleich als Münze zu verwenden; Sitte und technisches
Münz- und Verkehrsbedürfnis forderten gebieterisch die Kombination.
Aber ebenso allgemein hat man verlangt, daß die nebeneinander zugelassenen
Metalle in ihren Münzen ein einheitliches System darstellen, daß 1 Gramm gemünzten
Silbers zu so viel Gramm gemünzten Kupfers oder Goldes in einem ganz bestimmten,
von Sitte oder Recht fixierten Wertverhältnis stehe. Wo das Verkehrsbedürfnis zu
kiner neuen Silber- neben der Kupfer-, zu einer neuen Gold- neben der Silbermünze
ührte, da suchte man diesem Bedürfnis zu genügen. Der neue Goldgulden des 183.
Jahrhunderts wurde zuerst so geprägt, daß er einem Pfund oder 240 Pfennigen, der
werthaler des 16. Jahrhunderts, daß er einem Goldgulden entspräche, die Pistole
oder der Friedrichsdor des 18. Fabhrhunderts so, daß er fünf Silberthaler darfielle.