Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

132 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. —1390 
ipeisen in Paris 170, in Berlin 185 Kilogramm, für ganz England 165, für ganz 
Deutschland 140-5171 (Dade: für stark arbeitende Männer 278—-3685, für gering 
arbeitende und Frauen 136—–182, für Unerwachsene 91-182). Die Zusätze anderer 
Rahrung sfind heute viel größer; ob überall genügend, und ob es die richtigen sind, 
ist die Frage. — 
Die fischefssenden Küstenvölker waren in ältester Zeit die am besten ernährten, 
daher oft auch die wohlhabenden; die Jägervölker haben zuerst eine starke Blut- und 
Fleischkost sich verschafft; die Herden besitzenden Ackerbauer und Nomaden haben zuerst 
mehr die Milch als das Fleisch verzehrt, aber sie sind doch vielfach dann große Fleisch— 
efser geworden. Die Milch ist das beste Nährmittel, Eier und Fleisch dasjenige, das 
in kleinster Quantität die größte Kraft giebt, am vollständigsten und raschesten in 
den Körper übergeht, am ehesten in längeren Pausen und unregelmäßig verzehrt werden 
kann. Die Bibel läßt Abraham für drei Engel ein ganzes Kalb schlachten; bei Homer 
etzt Achill drei Gesandten drei Hammelkeulen vor. Die Völker mit stärkster Milch- und 
Fleischkost waren die kühnsten Eroberer; noch heute kann man in England hören, eine 
Handvoll fleischessender Engländer habe genügt, einige hundert Millionen reis- und 
getreideessender Inder zu unterwerfen. Die meisten indogermanischen Völker waren auf 
hren Wanderungen und lange nachher große Fleischesser. Im einzelnen hing die Ge— 
wöhnung an Fleischkost vom Klima und von der Erwerbung und Acclimatisation der 
Tiere ab. Nordisches Klima erfordert viel mehr Fleisch und Fett als sfüdliches; Fleisch— 
zufuhr ist erst neuerdings und in beschränkter Weise möglich geworden; nur wo in 
ilterer Zeit große Weiden waren, gediehen große Viehbestände; eine mäßige Bevölkerung, 
große Herden, erheblicher Waldreichtum mit zahlreichem Wild, das waren die Be— 
dingungen des älteren großen Fleischbegehrs; er erstreckte sich bis in die unteren Klassen. 
Freilich oft in der Form von getrocknetem und gesalzenem Fleisch, das man durch über— 
mäßige Pfefferdosen und Weingenuß erträglich machte. Für Frankfurt a. O. im Jahre 
1308, für Nürnberg 1320 habe ich einen Kopfkonsum von 125 —150 Kilogramm wahr— 
scheinlich gemacht; München hatte mit seinem behaglichen Wohlstand noch 1800 -19 
einen solchen von 111 Kilogramm. Das ist nicht wenig: 150 Gramm täglich für 
einen nicht angestrengt thätigen Arbeiter, 200—300 bei größerer Anstrengung, 500 
Gramm für die Soldaten im Feld gilt heute als auskömmlich, ja reichlich; 200 Gramm 
täglich sind 91 Kilogramm im Jahre; 111 Kilogramm also für Männer, Frauen und 
Kinder im Durchschnitt bedeutet für arbeitende Männer gegen 600 Gramm oder noch mehr. 
Der Rückgang der Fleischnahrung mit der steigenden Bevölkerung, den abnehmenden 
Weiden, der Fleischverteuerung, der Armut breiter Volksschichten Europas setzt im 
16. Jahrhundert ein und steigert sich teilweise noch 1750 — 1850. Zumal der Bauer 
hört faft auf, Fleisch außer am Sonntag zu essen; der Verbrauch sinkt auf dem Lande 
auf 5—10 Kilogramm jährlich, was freilich in den wohlhabenderen Gegenden und beim 
Landmann durch die erwähnten Zusätze anderer Art teilweise gut gemacht wird. Er sinkt 
aber auch in den Städten. In Leipzig ging er von 1377 -1820 von 78 auf 38 Kilo— 
gramm jährlich zurück; im Königreich Sachsen stand er 1835 auf 16, 1855 auf 14,9 Kilo— 
zramm an Rind- und Schweinefleisch; in Berlin 1777 -1784 auf 566-64, 1860 - 1869 
uf 45 Kilogramm Fleisch überhaupt. Und die städtischen Mittelzahlen sind erreicht durch 
einen Fleichkonsum der Wohlhabenden von 70 —-100, der kleinen Leute von 10-285. 
Erst von 1850 an tritt wieder eine erhebliche Steigerung des Fleischverbrauchs ein. 
Die verbesserte Landwirtschaft und Viehzucht konnten jetzt das Fleisch ohne große 
Weiden durch starken Futterbau liefern: in England stieg der Verbrauch 1870 -1896 
don 51 auf 65 Kilogramm, in Frankreich 1840—-1892 in den Städten von 49 auf 58, 
auf dem Land von 15 auf 26 Kilogramm, in Sachsen 1835—1897 von 15 auf 47, in 
Dresden von 1835—1894 von 20 auf 71 Kilogramm,; in ganz Deutschland schätzt man 
die Zunahme 1879—-1897 auf eine solche von 88 bis 41 Kilogramm. Es fragt sich 
aun sehr, welche Klassen an diesem Fortschritt teil haben; der Mittelstand und die 
höheren Arbeiter ficher; die niedriger stehenden aber vielsach nicht, was da um so 
unerfreulicher ist, wo auch ihr Fett., Käse-, Milch-, Leguminosenverbrauch zu gering ist,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.