— D— Einkommensverteilung. [604
setzung der Theezölle herbeigeführt wurde, aber ging keineswegs ihm stets parallel.
Roch weniger ift das allerwäris in Bezug auf den Eisenverbrauch der Fall. Wohl
väré der Eifenverbrauch überall nicht so bedeutend gestiegen, wenn das Eisen nicht im
ganzen billiger geworden wäre; aber in den einzelnen Jahren sehen wir gerade, wenn
das Eisen am billigsten ist, die geringste, wenn es teuer ist, die stärkste Nachfrage,
weil nicht der Stand der Eisenpreise, sondern der der gesamten Konjunktur zum Bau
von Eisenbahnen und zur vermehrten Maschinenaufstellung sowie zum stärkeren Haus-,
Brücken- und sonstigen Bau Anlaß giebt. Auch wenn wir den schwankenden Verbrauch
an Wolle, Baumwolle und Seide und der aus ihnen gefertigten Waren vergleichen
mit den Preisen, so sehen wir oft, daß ein Sinken der Preise infolge von Markt—
aberführung gar keine oder lange keine Konsumsteigerung erzeugt; der englische Verbrauch
von Baumwolle ging 1873-1877 von 1808 auf 1186, der von Wolle 187418789
von 362 auf 838 Miill. Pfund zurück infolge der schlechteren Konjunktur, aber die
niedrigen Preise genügten nicht, den Konsum zu beleben. Das Pfund Seide ging
1877. 1885 von 20 auf 128/4 Schilling herab; erst von da ab hob sich der Verbrauch
wieder etwas, und es stiegen nun auch die Preise wieder auf 13214 Schilling.
Das heißt, auch wo die Nachfrage in ihrem Umfang von der Größe des Angebots
und der Höhe der Vreise beeinflußt wird, ist die Wirkung oft eine sehr langfame, und
edenfalls ist sie steis von anderen wichtigeren Ursachen mit abhängig.
179. Die Analyse des Angebots. Seine Bestandteile; der Umfang
der Produktivkräfte, die es bestimmen; die alte Einteilung in drei
Arten des Angebots. Von einer Größe des Angebotes können wir in der isolierten
Eigenwirtschaft nicht eigentlich sprechen; die wirtschaftliche Familie hat gewisse Bedürjnisse,
und diesen kann genügt werden nach dem Maß und der Fruchtbarkeit des Bodens, über
den sie verfügt, nach der Zahl und Ausbildung der Arbeitskräfte, nach dem ganzen Stande
der Technik und der vorhandenen Werkzeuge und Vorräte. In der arbeitsteiligen Volks—
wirtschaft tritt nun immer mehr an die Stelle dieser direkten Beziehung der Produktivkräfte
zu den Bedürfnissen, an die Stelle der familienhaften Ansammlung von Genußvorräten
ur den Bedarf das Verhältnis des Angebotes zur Nachfrage, der produzierenden Kräfte
zu den konsumierenden Personen. Dieses Angebot ist nun aber von analogen Ursachen
hdedingt, wie die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung in der Familie; es ist abhängig
I von den ganzen Raturverhältnissen des Landes; 2. von der Zahl und Ausbildung
der Arbeitskraäfte, d. h. von der Bevölkerungsdichtigkeit und der körperlichen und geistigen
Schulung, sowie der Technik und Organisation der Arbeitskräfte; 3. von dem Stand der
bvorhandenen Hülfsmittel, Kapitalien, Maschinen und Werkzeuge. Und wie dort die
Familienverfassung die gute oder schlechte Bedürfnisbefriedigung beeinflußt, so wirken
a der Volkswirtschaft auf das Angebot die geschäfts- und handelsmäßige Organisation
der Kräfte, die Unternehmungsformen, die Eigentumsverteilung, das Marktwesen und der
Verkehr. Dazu kommt der Zusammenhang der einzelnen Volkswirtschaft mit der Welt⸗
wirtschaft; durch ihn wird das Angebot gewisser Waren vermehrt oder erst geschaffen,
das anderer für das Inland, in dem Maße wie Ausfuhr stattfindet, eingeschränkt.
Das Angebot ist in der älteren Zeit geringer Arbeitsteilung und geringen
Verkehrs überwiegend ein lokales, später wird es in vielen Warenbranchen wenigstens
ein mehr provinziales, dann ein nationales, endlich ein einheitlich weltwirtschaftliches.
Es gehi in älterer Zeit mehr von Familienwirtschaften aus, welche ihren Überschuß an
debeusmitteln absetzen, ihre überflüssige Zeit in irgend einer Nebenarbeit nutzen wollen,
in späterer Zeit mehr von Anternehmungen, die ausschließlich den Markt im Auge
haben. In Linfachsten Verhältnissen stehen sich Produzent und Konsument noch direkt
zegenüber, später tritt mehr und mehr ein Zustand ein, wobei die Produkte eine Reihe
von Zwischengliedern der dechnischen Produktion und des Handels durchlaufen, wobei
Zwischenprodukte, Werkzeuge und fertige Waren längere Zeit im voraus hergestellt werden,
in großen und kleinen Vorratsanhäufungen an verschiedenen Punkten sich anstauen.
Die so entstandenen Vorräte spielen im heutigen Augebot eine große Rolle, obwohl