617)] Ausgleich von Produktionskosten und Marktwert. Der Geldwert. 159
teuer geworden sei infolge hoher Gutspreise, — das beweist nur, daß die Werte der
Gebrauchs- und der Produktionsgüter stets in gegenseitiger Abhängigkeit von einander
stehen, daß jede Weribildung auf ältere sie bestimmende Ursachen zurückgehe. Das erste
aller Wertgefühle und Werturteile zu fassen, wie es überscharfsinnige Werttheoretiker
versuchen, ist so unmöglich, wie den Beginn der Welt- oder Staats- oder Menschen—
schöpfung klar zu legen. Wir müssen uns mit der Erkenntnis begnügen, daß auf die
Dauer die Produktionskosten das Angebot und damit den Wert von der einen Seite
her regulieren, während er von der andern durch die Nachfrage und ihre Ursachen
bestimmt wird.
182. Der Geldwert. Angebot und Nachfrage nach Edelmetall und
Geld. Wir haben schon in der Geldlehre gesehen, daß alle klaren und deutlichen
wirtschaftlichen Wertvorstellungen erst mit und durch das Geld entstanden sind; soweit
wir bisher den Marktwert erörterten, war die Voraussetzung, daß er in Geld aus—
gedrückt sei und gemessen werde. Das Geld ist der relativ beste Wertmesser; alle
unsere Uberlegungen in Bezug auf den Wert gehen heute von der für kurze Zeiträume
und nahe Entfernungen im ganzen wahren Annahme aus, daß das Geld stabil und
gleichmäßig in seinem Wert fei. Die Werte der Waren denken wir uns als das
Wechselnde, den des Geldes als das Feste.
Aber diese Annahme hat nur beschränkte und relative Wahrheit; nicht bloß fub—
jektiy hat die Mark in der Börse des Armen einen höhern Wert als in der des
Reichen; auch objektiv gegenüber den gesamten Warenwerten in ihrem Durchschnitt,
gegenüber dem Mittel aller subjektiven Wertschätzungen hat das Geld einen zeitlich und
oͤrtlich wechselnden Wert; nicht bloß sofern es gutes oder schlechtes Geld ist, wovon
wir hier nicht reden, wir setzen gute Münze, ein geordnetes Geldwesen voraus, sondern
auch sofern das Geld aus Edelmetall besteht, dieses Edelmetall je nach Angebot und
Nachfrage, nach seinen Produktionskosten und nach seiner Verwendung da und dort
einen verschiedenen Wert haben kann. Und dieser möglicherweise wechselnde Wert des
Geldes muß sich in der Gesamtheit der Preise ausdrücken; hoher Geldwert ist gleich—
bedeutend mit niedrigen Geldpreisen, niedriger Geldwert mit hohen Geldpreisen; wo
wenig Geld vorhanden ist, da wird auch für jedes einzelne Gut wenig bezaählt werden,
alles ist billig; wo viel Geld ist, da giebt man in jeder Transaktion auch viel, alles
ist teuer. Daher der bekannte Satz: alle Geldpreise können zugleich fallen oder steigen;
alle Werte können niemals ebenso eine gemeinsame Bewegung zeigen; das Steigen
eines Wertes bedeutet so viel wie das Fallen der anderen; das allgemeine Steigen oder
Fallen der Geldpreise ist identisch mit der umgekehrten Bewegung des Geldwertes.
Da nun aber zugleich alle einzelnen Güter je ihre selbständige Warenwerts—
bewegung haben und alle zugleich in ihrem Geldpreis vom Geldwert abhängen, so
entsteht daraus ein sehr komplizierter Zusammenhang. Wir kennen nur die gezahlten
Geldpreise, wir können nur einen Teil derselben staustisch erfassen, örtlich und zeitlich
vergleichen. Bei jeder Änderung fragen wir: liegt die Ursache in einer Waren- oder
in einer Geldwertsänderung; auch soweit wir größere Durchschnitte von Preisen ver—
schiedener Waren und ihren Wechsel berechnen können, bleibt die Frage meist offen,
ob mehr Waren- oder Geldwertsänderungen die Ursache seien. Immerhin befreit uns
diese praktische Schwierigkeit der Erfassung nicht von der Pflicht, uns über den Tausch—
wert des Geldes, seine ürsachen und Veränderungen möglichst klar zu werden.
Der Tauschwert des Geldes, seine Kaufbefähigung gegenüber anderen Gütern und
Leistungen behauptet auf jedem Markte eine herkömmliche in der Gesamtheit der Preise
sich ausdrückende Höhe; alle einzelnen Preise haben an sich eine gewisse Tendenz, sich
zu behaupten; alle von demselben Geldwerte beherrschten Preise bedingen sich und alle
Absatzverhältniffe gegenseitig; jede Anderung einzelner Preise perschiebt ihr Verhältnis
zu allen anderen und verleßt so zahlreiche Interessen. Jede Änderung des Geldwertes
n ausgehen von einer Anderung in Angebot oder Nachfrage des Geldes oder des
delmetalls. Sie wird, wie wir das oben vonñ allen Anderungen des Angebois und der