Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

294 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. [752 
Die Verschlechterung der Lage der Arbeiter war 1600 — 1700 in Europa eine 
ziemlich allgemeine; doch scheint sie in diesen Zahlen fast größer, als sie ist; sie war 
überall da geringer, wo Naturallöhne noch vorwogen, die Zahl der Lohnarbeiter noch 
gering, die Zahl der Kleinbauern noch sehr zahlreich, die Lage der Handwerksgesellen 
noch durch Zunfttraditivn, die der Hausindustriellen durch die Reglements geschützt 
war. Wo diese Umstände fehlten, war die Lage allerdings schon eine recht schlechte. 
In England steigen die Geldlöhne von 1860— 1700 um fast 120 *0. Cunningham 
nimmt als Durchschnitt an: 1610 8 Schilling, 1688 4 Schilling, 1725 125 
Schilling, 1795 9 Schilling. Das ist die Folge des allgemeinen volkswirtschaft— 
lichen Aufschwungs. Die Reallöhne bleiben freilich dahinter zurück; man kaufte mit 
* Schilling 17251750 40 Kilogramm Weizen, 1795 mit 9 Schilling nur 80 Kilo— 
gramm. Vollends als nun die große Verteuerung des Lebens 1795— 1846 eintrat, 
da mochten die ländlichen Löhne auf 9 — 10 Schilling, die gewerblichen auf 13 — 16 
Schilling, ja, in einzelnen Großindustrien bis 20 und 80 Schilling steigen; mit 
10 Schillingen kaufte man nur 40 Kilogramm Weizen, unter Umständen während der 
Notpreise nur 20 Kilogramm oder noch weniger; in der Hausindustrie sank der Lohn 
am tiefsten; die Bevölkerung nahm rasch zu, die Naturallöhnung, die alten Arbeits— 
ordnungen verschwanden, die Krisen steigerten die Arbeitslosigkeit zeitweise entsetzlich. Das 
Arbeiterelend war viel größer als nach und während der ersten großen Lohnfenkung 
des 16. und 17. Jahrhunderts. 
Ich füge, ehe ich auf das neuere Steigen der englischen Löhne eingehe, die ana— 
logen Thatsachen aus den kontinentalen Staaten bei. 
Nach den französischen Untersuchungen von Mantellier, die sich auf Orleans be— 
ziehen, war der Tagelohn eines gewöhnlichen Lohnarbeiters in heutigem Frankengelde: 
1400 - 1475 1476 - 1500 1501 - 1575 
0,81 0,69 0,50 
1576 - 1600 1601 - 1675 1851- 1860 
1,09 1,16 2,25 
Die Mine Getreide zu 383 Liter kostete in heutigem Gelde: 
1400 - 1475 1476 - 1500 1501 -1575 
2,09 1,97 2,66 
1576 - 1600 1601 - 1675 1851- 1860 
8.92 3,18 6638 
d. h. der Arbeiter verdiente im 15. Jahrhundert etwa /8, im 16. Jahrhundert !/5, 
im 17. und 19. wieder etwa /0 Mine. Für das 18. Jahrhundert berechnen Moreau 
de Jonnos und Foville, daß eine ländliche Arbeiterfamilie, die zu reichlicher Ernährung 
15 Hektoliter Weizen gebraucht hätte, verdiente: 
5 
Jahreslohn.. r. r. 400 Fr. 
R iolüer kosteten.. 288 240, 315 d— 
Verhältnis des Lohnes hierzu... 0,68 0,83 1,27 
Damit ist erklärt, daß ein so großer Teil der französischen Landbevölkerung 
schlecht ernährt und in elendester Lage von 1660-1789 war. 
Von deutschen Berechnungen des historischen Ganges der Lohnbewegung führe 
ich (außer den oben schon angeführten) Stephan Beißels Untersuchung über die Bau⸗ 
geschichte der Xantener Kirche an; die Zahlen sind ihm teilweise direkt entlehnt, teilweise 
find sie nach ihm berechnet; der Tagelohn betrug in Tantener Denaren (2,7 heutige 
Pfennige — 1 solchen): 
für einen Meister. 
für einen Säger .. 
1356 - 1399 
38 Denare 
258, 
1600 - 1649 
166 Denare 
1555 
1450 - 1499 1550 - 1599 
36 Denare 72 Denare 
258, 758, 
1650 - 1679 1882 
200 Denare 820 Denare 
1898, 680, 
ür einen Meister ... 
für einen Säger. .
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.