Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

755) Die Lohnhöhe im 19. Jahrhundert. 297 
Tagelöhner 54 — 69 Kilogramm, in Schlesien nur 80 Kilogramm, in Posen, Unter— 
franken und der Oberpfalz 86 — 45 Kilogramm Roggen wöchentlich; d. h. der größte 
Reallohn in den Gegenden, wo noch die alte Naturallöhnung vorherrscht und wieder 
da, wo am frühesten und vollständigsten die Geldwirtschaft gesiegt hat. Für die 
Instenfamilien des Ostens wird man einen Jahresverdiensti von 300 Mark für 1849, 
von 660 für 1872 — 1875, von 706 — 1000 Mark für 1892 annehmen können; ihre 
Einnahmen sind im Nordosten viel höher als die der freien ländlichen Arbeiter der— 
jelben Gegend; die letzteren stellen im Nordosten den niedrigsten Arbeilertypus dar, im 
Südwesten stehen die freien, besitzlosen ländlichen Lohnarbeiter gerade umgekehrt denen 
mit kleinem eigenen Besitz nach der Goltzschen Statistik sehr nahe. 
Von gewerblichen Lohnermittelungen führe ich an: ein Jenenfser Schriftsetzer, der 
1717-1847 gleichmäßig für 1 Million m zu setzen 24 — 26 Scheffel Roggen erhielt, ver— 
diente mit derselben Leistung 1860 48, 1871 83; letzterer Verdienst ist gleich einem Wochen— 
lohn von 16,5 Mark oder 100 Kilogramm Roggen. Ein sächsischer erster Schuh⸗ 
machergeselle hatte 18866—1857 68 Htark, 1871880 12-17 Mark, 1880 1886 
11— 183 Mark Wochenlohn. Rheinisch-westfälische Bergarbeiter (Häuer) können im 
Durchschnitt etwa fürs Jahr so angegeben werden: 1868 600 -700 Matrk, 1874 900 
bis 1000 Mark, 1886 —1888 800-900 Mark, 1890 1100 - 1200 Mark, 1898 - 1899 
1300—- 1500 Mark. Die Berliner täglichen Maurerlöhne waren 18481850 22,8 
Mark, im letzten Jahrzehnt 4, 5 und 6 Mark täglich. 
Ich führe noch einige Berechnungen der mittleren Jahreslohnhöhe der deutschen 
Arbeiter nach der Unfallverficherungsstatistik an, wobei Kinder und Alte, Mädchen und 
Männer in einen Durchschnitt zusammengezogen sind. Es handelt sich dabei nur um 
die sogenannten anrechnungsfähigen Löhne, die für die höberen Lobntlafsen wesentlich 
hinter der Wirklichkeit zuruͤckbleiben. 
Bergbau Metallindustrie Maschinenindustrie Chemische Industrie 
Mk. Mk. Mk. Mk. 
1895 927,24 816,09 899,838 809,79 
1899 1071.78 903,88 982,84 968, 15 
Textilindustrie Papierindustrie Bekleidungsindustrie 
Mk. Mtk. Mk. 
1895 600,29 633,07 623,28 
1899 655,49 726,84 701,46 
Nach dem Berliner statistischen Jahrbuch seien für 1897 noch einige Berliner 
Jahreslöhne für Maänner augeführt: 
Steinmetzen Metallformer Posamentierer Maurer 
Mt. Mk. Mt. Mt. 
höchster 1800 1700 1080 1920 
niedrigster 693 1200 720 875 
aee 1331 1382 920 1322 
acher 
Srte 5 
Mk. Mk. Mk. Mk. 
höchster 1586 1500 578 1046 
aiedrigster 910 1350 560 980 
Mittelsatz 1200 1472 569 1014 
Mit 600 Mark kaufte man nach den Preisen von 1892 — 1899 in Deutschland 
k600 Kilogramm Roggen und 8800 Kilogramm Weizen, mit 1000 Mark 7600 bezw. 
5400 Kilogramm. Das sind Wochenverdienste von 785—146 Kilogramm; bei 1500 Mark 
gehen sie uͤber 200 Kilogramm in der Woche hinauf. Jahresverdienste für den Mann 
pon 600 — 1200 Mark, für die Familie, sofern mehrere Glieder mit arbeiten, von 
1000-1500 Mark konnen wohl als ein miltlerer AÄusdruck heutiger deutscher gewerb— 
licher Löhne gelten. Das sind Einkommen, die für den unverheirateten 18 —25 jaͤhrigen
	        
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