580 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. (1038
verkaufen; alles unter der Leitung des englischen Stapelmajors. Die Blüte der Stapler—
gesellschaft fällt in die Zeit bis gegen 1400. Neben ihr hatten sich seit Ende des
14. Jahrhunderts die exportierenden englischen Tuchkaufleute, die sog. Merchant
ad ventureérs ähnlich organisiert; ihre Hauptblüte fällt ins 16. Jahrhundert, ihre
Vorsteher sind die Seele des Kampfes gegen die Fremden. Kaufleute aus ganz England
umfassend, suchen sie in belgischen (Antwerpen) und, als die Konflikte mit den spanischen
Niederlanden sich steigern, in deutschen Häfen, in Hamburg und Emden sich festzusetzen;
korporgtiv organisiert, Beiträge erhebend, handeln sie draußen stets einheitlich und in
steter ÜUbereinstimmung mit der englischen Regierung. Unter Elisabeth erreicht die
Gesellschaft ihre höchste Macht und Blüte. Nach der Erschütterung des niederländischen
Verkehrs durch den Unabhängigkeitskampf der Niederlande traten eine Reihe anderer
regulierter Compagnien (1381 -1600) an ihre Seite und an ihre Stelle. Für den Auf—
schwung der englischen Volkswirtschaft im Sinne nationaler Selbständigkeit hat diese
kaufmännisch-nationale Kräftekonzentration viel gethan.
Dem Niedergang der englischen Schiffahrt hatte man schon seit 1882 etwas zu
begegnen gesucht; aber zunächst ohne Erfolg. Erst die Tudors suchten neben der lang—
jamen Schaffung einer staatlichen Flotte die private Schiffahrt ernstlich wieder zu
hbeleben: 1456—1489 durch die Vorschrift, die Weine aus Guyenne und Gascogne,
so weit es gehe, nur in englischen Schiffen einzuführen. Hauptsächlich aber griff die
Akte von 1588 ein, die Prämien für die englischen Schiffe, Maximaltaren für die
Fracht, Begünstigung der Fremden, die englische Schiffe benutzen, und Ahnliches einführte.
Elisabeth behielt alle Küstenschiffahrt den englischen Schiffen vor und belegte alle auf
frremden Schiffen eingeführten Waren höher; die englische Fischerei wurde durch Ab⸗
gabenfreiheit begünstigt. Das waren die Vorläufer der spätern englischen Navi—
gationsakte.
England ist beim Tode der Elisabeth (1608) noch eine kleine, keineswegs reiche Macht;
noch ohne eigentliche Kolonien; hinter Spanien, Portugal, Frankreich, Holland weit
zurück; aber es ist im raschen Aufschwung begriffen; seine kühnen Seefahrer dringen
schon in Amerika ein; sein Tuchexport wächst, wie seine Marine; seine Zolleinnahmen
sind, durch befsere Verwaltung 1890 —1604 von 50000 auf 270000 4 gestiegen.
Allerlei Maßregeln zur Industrieförderung, hauptsächlich Heranziehung von Nieder—
ländern und Deutschen, haben Platz gegriffen; auch Schutzzollmaßregeln beginnen. Aber
im ganzen wurde 1485— 1604 der internationale wirtschaftliche Kampf durch die
Schiffahrtsgesetze und die Fremdenrechtsordnung geführt. An die Personen und die
Schiffe mußte man sich halten, solange ein großer Verkehr sich nicht gebildet hatte, der
die Waren ohne ihren Eigentümer von Stadt zu Stadt, von Land zu Land beförderte.
Immerhin zeigt die Handelspolitik der Tudors schon ein gänzlich anderes Bild als
die der deutschen Territorien. Das Land umfaßt 150 000 qkm, 2,5 Mill. Menschen,
ztwa drei- bis viermal das Kurfürstentum Brandenburg. Seine Bevölkerung und seine
Regierung sind vom gleichen großen nationalen Schwunge erfüllt; beide führen kühne
Schläge im Geiste des nationalen wirtschaftlichen Egoismus, der aber im 17. und
18. Jahrhundert zu noch ganz anderen kühneren Griffen nach der Welthandelsherrschaft
sich erhebt, zu ganz anderen wirtschaftlichen Institutionen führt.
258. Der Merkantilismus; Portugal, Spanien und Holland
bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Neben den Territorien und Kleinstaaten
des 15. — 17. Jahrhunderts gab es damals auch schon größere Staatsgebilde, z. B.
das französische Reich, das aber nur in feinen centralen, dem Königtum unterworfenen
Provinzen anfing, eine politische und wirtschaftliche Einheit zu sein, dann die spanische
und die österreichische Monarchie; sie blieben aber mehr Konglomerate von Reichen
und Territoxrien, als wirtschaftspolitische Einheiten. Immerhin, die Einheitstendenzen,
welche Venedig, welche das England der Tudors beherrschten, fie griffen vom 16. Jahr—
hundert an weiter, sie schufen im 17. und 18. Jahrhundert mehr und mehr den Kern
und das Wesen der heutigen europäischen Nationalftaaten: Staaten von 200000 bis
500 000 und mehr qkin, von 3-28 Mill. Menschen unler einer dentralisterlen machtvollen