1085)] Das Hochschutzzolliystem der Vereinigten Staaten 1860-1900. 627
machten die Zölle 380/0 im Durchschnitt (6—2000/,0 im einzelnen) aus; 1887 waren
die unveränderten Zollsätze gegenüber dem allgemeinen Sinken der Preise auf 47,10 0/0 ge—
stiegen. Immer empfand man damals die europäische Konkurrenz deshalb nicht so stark,
weil der Brotstoffexport, schon 1861 1864 sehr erheblich, 1871 —-1883 riesenhaft an—
wuchs (1830 7, 1850 13, 1860 24, 1870 72, 1880 288 Mill. Doll.). In den 80er
Jahren trat ein gewisser Rückschlag dieser Ausfuhr ein; auch die agrarische Kolonisation
im Westen wurde langsamer; das gute Regierungsland ging zu Ende; den Riesengrund—
besitz der Eisenbahnen zwangsmäßig rasch zugänglich zu machen, konnte man nicht
wagen. Die Geschäftsflauheit wollte lange nicht weichen, die Trustbildung begann;
man suchte in hohen Zöllen das Mittel rascher industrieller Entwickelung. Der Kampf
zwischen den Demokraten (für mäßigen) und den Republikanern (für hohen Zoll) wurde
immer zum Mittelpunkt aller Politik. Die im Amt befindlichen Republikaner kauften sich
weitere Stimmen durch zunehmende Pensionen an angebliche frühere Krieger und ihre
Witwen (1877 28 Mill., 1897 147,5 Doll. Pensionen jährl.). Sie hinderten die Tarif—
reform des nach langer Zeit wieder ersten demokratischen Präsidenten Cleveland (1887)
und wußten 1890 dem extremen Hochschutzzoll in der Mac Kinley-Bill den Sieg zu
verschaffen. Sein Erfolg schien aber so ungünstig, die Preise stiegen so, der Mißmut über
das Treiben der Trusts wuchs so, die Krisis von 18983 zeigte so deutlich die Nicht—
erfüllung der angeblichen lohnsteigernden Folgen des Schutzzolles, daß die Demokraten
wieder siegten. Aber sie konnten nur eine mäßige Milderung des Tarifs 1894 (Wilson—
tarif) durchsetzen. Die Republikaner kehrten unter Mac Kinley in die Amter zurück und
setzten im Dingleytarif 18906 die Rückkehr zu den Principien von 1890 durch.
Das Gesetz von 1890 belegte die verzollte Einfuhr mit durchschnittlich 48,60,
das von 1894 mit 41,7, das von 1896 mit 54,5 0/0 des Warenwertes. Die wichtigsten
Industriewaren belegte man 1896 mit 50—90 /0, viele mit Gewichts- und Wertzöllen
zugleich; auch die wichtigsten Rohstoffe der Industrie, wie Wolle, und die Halbfabrikate
find hoch belegt; ebenso Getreide und verschiedene Lebensmittel, da sie ja vereinzelt über
die Grenze kommen, hauptsächlich über die kanadische. Die Zollverwaltung, die Prüfung
der Wertdeklarationen hat 1890 und 1896 eine Strenge erreicht, wie nirgends sonst; die
Zollbeamten selbst schlagen die Milderung vieler Bestimmungen vor. Manche Artikel,
die in anderen Ländern als Finanzquelle besteuert sind, bleiben in den Tarifen von
1890 —-1896 frei; so 1896 Thee, Kaffee, Vanillebohnen. Es geschah in der Absicht,
diese Freiheit den mittel- und südamerikanischen Staaten als Lockmittel anzubieten, wenn
sie für die amerikanische Industrie Gegenkonzessionen machten, sonst sie ihnen zu entziehen.
Die Tarife waren schwere Schläge für den europäischen Export von Induftriewaren;
sie haben einzelne und wichtige amerikanische Industrien zu fieberhaftem Fortschritt durch
zeitweise Preissteigerungen veranlaßt; sie haben die Einfuhr sehr vermindert. In den
Parlamentskreisen entstanden, sind diese Tarife ganz das Ergebnis der führenden Trusts
und der Parteipolitik, die so viel Zölle einsetzten, als sie für große Majoritäten brauchten.
Immer entsprach die Bewegung der nationalen, auf Selbständigmachung gegenüber
Europa gerichteten Volksstimmung. Und der Erfolg sprach im ganzen nicht gegen die
Politik. Auch die Fabrikatenausfuhr stieg stark; z. B. an Eisen- und Stahlprodukten
1i886 14,7, 1890 41, 1897 70,8 Mill. Dollar; die Weizen- und Mehlausfuhr 1870
bis 1880 2,8 jährlich war von 18811890 83,75, 1891 - 1899 4,84 Mill. Tonnen.
Wie die Bexeinigten Staaten sich 1860—-1880 dem Konzert der europäischen
Meistbegunstigungsverträge ferngehalten, so blieben sie auch in der Folgezeit spröde.
Die Klaͤuseln des Dingleygefetzes erlauben wohl Verträge mit bestimmten Redulktionen
für wenige Waren und solche mit einer allgemeinen Zollermäßigung im Maximum von 20 00,
aber es dam bei den Verhandlungen nicht viel heraus. Die Verträge mit Frankreich und
Portugal waren ziemlich nichtssagend. Die Union suchte ihre Meistbegünstigung in
den Saaten mit mäßigen Tarifen festzuhalten, ohne selbst Erhebliches zu konzedieren.
Die einstige freie Zulassung, ja Förderung der fremden Einwanderung verwandelte sich
in eine rigorose Fernhaltung erst der Chinesen, dann auch der Europäer. Die liberale
Behandlung der Waren, die in fremden Schiffen kommen, nach den Gesetzen von 1815
40*