5333) Die Aufbringung der Prägekosten, die Entstehung der Scheidemünze. 75
das notwendige Ergebnis, daß einzelne ehrlich darnach Verfahrende wie Kursachsen, fast
nur noch grobes Geld schlugen (das kleine war ja nicht unter 17-25 Prozent Prägekosten
herzustellen), alle anderen Münzberechtigten aber, um auf die Kosten zu kommen, um so
hiel leichtere und überwiegend Kleinmünzen prägten. Und dieses leichtere Geld verdrängte
mmer mehr das gute; in diesem leichten Gelde stieg die Barrenmark rein Silber, die man
zu etwas über 8 Guldengroschen ausprägen sollte, rasch auf 9, 10 und mehr Gulden.
Es war nur die Wahl, entweder nicht zu prägen oder schlecht zu prägen. Aus diesem
Dilemma kamen alle deutschen Münzstätten bis ins 17. und 18. Jahrhundert nicht heraus.
Es gab nur zwei Auswege: den einen betrat England 1666, indem es alle
Prägungskosten auf den Fiskus übernahm; wo das geschah, konnte man in der Haupt—
sache redliche, gute Münze nach dem Münzgesetz herstellen; freilich fragte es sich, ob die
Regierung immer genügend für gutes Kleingeld sorgte; auch die englische that es lange
nicht. Den anderen Ausweg hat man zuerst in Florenz und Venedig, viel später, aber
sangsam und nie vollkommen in Deutschland und anderwärts eingeschlagen: man be—
sttimmte, daß für gewisse größere Zahlungen im Handel, im Zoll u. s. w., von einer
zgewissen Grenze an nur die besseren Gold- oder Silbersorten zuzulassen seien, so daß
die unterwertige Kleinmünze nur für den Detailverkehr und für Teilzahlungen rechtlich
in Anwendung komme. Das war aber nur durchzusetzen, wenn a) die Privaten nie solch'
kleine Münzen prägen durften, b) die Regierung selbst sich Schranken in der Menge
des geprägten Kleingeldes auferlegte und c) niemand Kleinmünze außer für die kleinen
Zahlungen zu nehmen brauchte. Seit dem 14. Jahrhundert beginnen die Anläufe in
dieser Richtung.
Die deulsche Reichsmünzordnung von 1559 bestimmte, daß niemand bei großen
Zahlungen mehr als 25 Gulden kleine Münze zu nehmen brauche, daß kein Müngzstand
mehr solcher Münze als für den täglichen Bedarf prägen dürfe. Die letztere Klausel
war nicht klar und scharf genug; die Durchführung war überhaupt aus finanziellen
und technischen Gründen sehr schwer. Erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts bildete
ich der feste Rechtsbegriff der Scheidemünze in dem soeben unter a—e fixierten Sinne
aus. Nur sehr langsam kamen die bestverwalteten Staaten zu einer beschränkten Prägung
des Kleingeldes und zu dem Rechtssatz, daß es bei großen Zahlungen abgelehnt werden
önne. Preußen prägte endlich 17644 A86 auf “5 Groß- nur noch s Scheidemünzen und
ieß im Landrecht bei den Zahlungen unter 30—10 Thaler die Hälfte in Scheidemünze,
hei den unter 10 lauter Scheidemünze zu. Erst in diese Epoche des Sieges richtiger
Scheidemünzgrundsätze fällt auch die allgemeine Ermäßigung der Prägungskosten auf
2—1/2 Prozent; infolge vorangeschrittener Technik war so die Herstellung geordneter
Geldzustände sehr erleichtert. Die seit 1839 in Tirol begonnene Prägung mit der Walze
statt der mit Hammerschlag war ein großer Fortschritt, aber sie gelang doch erst
langsam, hat im 16. Jahrhundert sicher noch keine Verbilligung der Prägung herbei—
geführt. Erst der Balancierer oder die Spindelprefse, auch Stoßwerk genannt, welche
den Prägestock durch eine Schraube bewegte (1660—1800), und die Ringprägung schufen
ein vollendetes mechanisches Prägen der Münzen und eine gute Randherstellung. Die
großen fabrikartigen Münzen mit Dampfkraft, mit Walzwerk zum Herstellen der Zaine,
mit automatischer Justierwage und dem mechanisch bewegten Hebelwerk zum Prägen
(tatt der Schraubenbewegung des Balancierers) gehören erst dem 19. Jahrhundert an.
Man prägt jetzt mit solcher Einrichtung das 20-Markstück zu 0,287, das 10-Markstück
530, das 1-Markstück zu 1,75. die 10-Pfenniastücke zu 2 Prozent ihres Nominal—
ertes. —
„In dieser ganzen Epoche von 1300—-1800 wurde durch das Schwanken und die
Anficherheit des Gehaltes und des Wertes der Münzen zwar nicht immer, aber doch
sehr häufig und für lange Zeit eine Unsicherheit alles Vermögensbesitzes und alles
Einkommens herbeigeführt; die älteren Münzverrufungen und die späteren sich immer
loch oft wiederholenden amtlichen Herabsetzungen des Münzwertes schädigten stets
Loße Teile der Bevölkerung. Meist hatten die kleinen Leute, die Armen und weniger
Sachkundigen dadurch zu kdeiden, daß sie alle Munzen zu hoch annehmen mußlen